Dreihundert und stcbenundfiinfzigfte Nacht.
351
„Das Andenken meiner Geliebten tröstet mich in meiner Einsamkeit, nndbegleitet mich während der Nacht. Ich habe keine andere Hülfe als meineThräncn, sie allein erleichtern meine Last. Meine Sehnsucht ist heftig, noch niehat Jemand so durch sie gelitten; wunderbar ist die Macht meiner Liebe; meinHerz ist zerknirscht, mein Auge schläft nicht.' Die Flamme loderte so verzehrendin meinem Herzen, und meine Leiden wurden so mächtig, daß alle Geduld vonmir wich. Der Trcnnungsschmerz machte mich mager und krank; meine Augensammt dem Augapfel wurden wund von den Thräncn, die ich nicht zurückhaltcnkonnte. Meine Kraft nahm ab, die Pulse meines Herzens hörten auf zu schlagenund ich suhlte einen Brand nach dem andern. Mein Herz und mein Kops zeigtenden festen Wille», bis zur Todesstunde meiner Herrin, die Gott erhalte! zugehören. Sic hatten vor, uns zu trennen, und bezweckten doch nur unsereBereinigung. Wozu diese längere Trennung, Sehnsucht und Qual? meineSeele schmachtet nach dem Wiedersehen! Laßt nun meine Geliebte liebend mitmir kosen und unsere Trauer stch in Freude verwandeln!".
Da bemerkte die Sultanin Schehersad den Tag und brach ihre Erzählung ab.der folgenden Nacht fuhr sie fort: