Dreihundert und zuiciundfüufzigste Nacht.
„Wem soll ich meine Schmerzen klagend Man hat mich eingcspcrrt undvom Geliebten getrennt. Lange wache ich nun in der Nacht, bin krank undvergieße Thräncn; des Morgens stehe ich ganz abgemagcrt auf von denquälenden Trennungsschmerzen. Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergangbitte ich die Sonne, meinem Geliebten tausend Grüße zu bringen; meinemGeliebten, dessen Anmuth den Vollmond beschämt und der Nacht ihre Reizeverleiht. Wenn eine Rose seinen Wangen gleichen wollte, würde ich sagen:
Weit entfernt! Mit dir habe ich nichts zu thun. Von seinem Munde rede ichnicht, er ist mein Geist und mein Herz, und Worte der Bescligung kommen ausihm. Nur wer mich krank gemacht kann mich heilen, nur mein Geliebter istmein Arzt!"
Als sie ihre Verse vollendet hatte, versank sie in ein tiefes Nachdenken und gabsich einem starren Schmerze hin. Als es Nacht ward und sie an einem andern Ortesich befand, entbrannte ihre Sehnsucht noch mehr, und sie dichtete folgende Verse:
„Dunkelheit umgibt mich und erregt Schmerz und Krankheit in mir, dieSehnsucht aber vermehrt noch meine Leide». Der Trcnnungsbrand hat sich inmeinen Eingeweide» festgesetzt, und die Sorgen haben mich ganz zu Nichts