Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
318
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Z18 Dreihundert und sechsuudliierzigste Nacht.

Geschichte der Tochter des Veziers und des Prinzen

Uns Alwudjnd.

Man erzählt: und Gott kennt alle Geheimnisse am besten Es war in denfrühsten Zeiten ein König, welcher Schamech hieß, er war ein sehr angesehener undmächtiger Sultan, und so gefürchtet, daß sich Niemand in seine Nähe wagte. Derselbehatte einen Sohn, welcher Uns Alwudjnd (Rose i» der Knospe) hieß. Sein Vezierhatte eine sehr schöne, wohlgestaltete und gebildete Tochter, welche Dichtkunst und lehrreichenUmgang liebte, sie hieß Ward fil Akmam (Heimlichkeit des Daseyns). DerVezier liebte sie sehr, weil sie so viel Geist und Beredsamkeit besaß, und Geschicklichkeitzu allen Künsten. Sie war wohlgestaltet und zart gebaut, und wenn sie sprach, sokonnten ihre Worte einen Kranken heilen. Außer einer vornehmen Erziehung besaß sieso viele vorzügliche Eigenschaften, daß sie Jeden reizte, dem sie sich zuwandte, undJeden tödtete, dem sie den Rücken kehrte. Sie war, wie ein Dichter sagte:

Ihre Erscheinung ist wie die des Mondes zwischen Sternen, und dieschwarzen Wolken schmücken sich mit ihrem Haare. Mein Verstand hat mitder Liebe gescherzt, und nun gleicht er einem Sperling in der Hand eines Kindes,das mit ihm spielt."

Der König war gewöhnt, jedes Jahr die Großen seines Reichs zu versammeln,bei welcher Gelegenheit allerlei Spiele statt hatten. Eines Tages befahl er bei einersolchen Versammlung dem Uns Alwudjud, den Ballen zu schleudern, als gerade dieTochter des Veziers in ihrem Schlosse saß, um dem Spiele der Truppen zuzusehcn; siewarf einen Blick herunter und bemerkte einen jungen Mann, so schön, daß nie Jemandseinesgleichen gesehen; seine Wohlgestalt und Anmuth reizte sie so sehr, daß sie oft nachihm blickte und ihre Amme fragte:Wie heißt der schöne Jüngling, der sich unter

den Truppen aus seinem Pferde tummelt." Sie antwortete:Sie sind Alle schön; zeigemir, welchen du meinst." Die Tochter des Veziers versetzte:Warte, bis er vorübergeht, dann will ich dir ihn zeigen." Sie nahm dann einen Apfel und wartete, bis erunter dem Fenster vorüberging, um auf ihn werfen zu können; er hob seinen Kopf indie Höhe, um zu sehen, wer ihm einen Apfel zugeworfen, und erblickte die Tochter desVeziers wie den leuchtenden Mond in der Sphäre der Himmel; sein Herz aber entbrannte