Dreihundert und uierunduierzigste Nacht. Zj j
„O Kut Alkulub! ich sehe, daß du mich tadelst/ als ungerechten Richter anklagst/ undhöre dich sagen: ich thue Böses dem, der mir Gutes erwiesen; wer ist's, der meinenHarem gehütet?" Sie antwortete: „Ghanem, Sohn Jjubö, der Gefesselte, der
Beraubte! denn ich schwöre dir bei deiner Gnade, er hat die Ehrfurcht vor deinerSklavin nicht verletzt." Der Chalif sprach: „Es gibt keinen Schutz und keine Macht,außer bei Gott, dem Erhabenen! O Kut Alkulub! wünsche dir, was du willst, dusollst es erhalten!" Sie antwortete: „Ich fordere meinen Geliebten!" Der Chalif
gewährte ihr ihren Wunsch. Sie sagte weiter: „Ich wünsche, daß, wenn er erscheint,du mich ihm zur Frau gebest." Der Chalif erwiderte: „Das geschehe, und ich werde
gewiß mein Wort heilig halten." Sie versetzte: „Erlaube mir ihn zu nicken, vielleichtwird mich Gott mit ihm vereinen." Der Chalif antwortete: „Thu', was dir gutscheint!" Sie ging freudig weg, nahm tausend Dinar mit, besuchte die Aufseher undgab Almosen für ihn.
Am folgenden Tage begab sie sich wieder auf den Markt der Kaufleute, gabdem Aufseher einige Dirham, und sagte ihm: „Vertheile sie unter die Fremden!" Diefolgende Woche ging sic wieder auf den Markt mit tausend Dinar; es war der Marktder Goldarbciter und Juweliere. Sie rief den Aufseher, gab ihm tausend Dinar undsprach zu ihm: „Vcrtheile sie unter die Fremden!" Der Aufseher sagte ihr: „Herrin!in meinem Hause befindet sich ein junger Mann, der krank und deines Mitleids würdigist, willst du nicht mit mir gehen, um den jungen Mann zu sehen?" (Dies war nämlichGhanem, den der Aufseher nicht kannte, und den er für einen Verschuldeten hielt.)Als sie dies hörte, klopfte ihr das Herz und ihr Inneres kam in Bewegung. Siesagte: „Schicke Jemanden mit mir in dein Haus!" Er gab ihr einen kleinen Jungenmit, der sie in sein Haus führte, und sie dankte ihm dafür. Als sie in's Haus trat,grüßte sie seine Frau und küßte die Erde vor ihr; diese erkannte sie. Kut Alkulubfragte dann: „Wo ist der Fremde, der bei dir wohnt?" Sie antwortete weinend:„Hier ist er auf dem Bette, schöne Frau! er sieht wohl wie einer aus der niedernVolksklasse aus, doch trägt er noch Spuren des Wohlstandes an sich." Kut Alkulub blicktenach ihm hin, er war aber so mager geworden, daß sie ihn nicht erkannte; sie weinte undsprach: „Der unglückliche junge Mann!" wußte aber nicht, daß es Ghanem war;doch hatte sie Mitlcidcn mit ihm, machte ihm Wein und verschiedene Arzneien zurecht.Nachdem sie eine Weile seinen Zustand beobachtet hatte, ritt sie wieder in ihr Schloßund besuchte ihn jeden Markttag. Eines Tages kam der Aufseher mit Ghanems
Mutter und Schwester und sagte zu seiner Frau: „Gutes Weib! das Paradies wird