Dreihundert »nd dreiundvierzigste Nacht. Z07
der die Erde vor ihm küßte; der Chalif aber sagte ihm im Zorne: Geh, Djasar!frage nach dem Hause des Ghanem, Sohn Jjubs, dringe in sein Haus und bringemir meine Sklavin Kut Alkulub und auch ihn, daß ich ihn strafe!" Djafar gingnach dem Hause Ghanems, der Polizeioberste und die ganze Welt begleitete ihn.Ghanem kam eben mit einem Topfe voll Fleisch zurück, das er mit Kut Alkulubessen wollte; als sie jedoch ihre Blicke umherwarfen, sahen sie das Haus von demVeziere, dem Polizciobersten, von Dienern und Mamelucken mit gezogenem Schwerteumgeben, wie das Weiße vom Auge das Schwarze umgibt. Sie merkte gleich, daß derChalif Nachricht von ihr erhalten, und war ihres Untergangs gewiß; sie ward blaß,verlor ihre Reize, sah ihren Geliebten an und rief ihm zu: „O mein Geliebter, rettedein Leben!" Er sagte: „Wie soll ich entfliehen, da mein Geld und mein ganzesVermögen hier im Hause sind?" Sie antwortete: „Zaudre nicht, sonst verlierst du Gutund Leben, che es Abend wird." Er sagte: „O Geliebte! Licht meines Auges! wie sottich's machen, um zu fliehen? Sie haben ja schon das Haus umzingelt." Sie erwiderte:„Fürchte nichts!" Hieraus entkleidete sie ihn, zog ihm alte zerlumpte Kleider an,entstellte sein Gesicht, nahm den Topf, in welchem er das Fleisch gebracht hatte, undlegte ihn auf seinen Kopf, that ein Stück Brod und eine Schüssel Speise hinein undsagte: „Geh durch diese List fort und denke meiner nicht! ich weiß, was ich vomChalifen zu erwarten habe." Ghanem befolgte ihren Rath, ging mit dem Topfe fortund ward nicht erkannt; Gott beschützte ihn und bewahrte ihn vor allem Bösen, nach?seinem segenbringenden Willen.
Als der Vezier Djafar an das Haus kam, stieg er vom Pferde ab, ging in'sHaus und sah daselbst Kut Alkulub, die sich putzte und schmückte, und eine großeKiste mit Gold, Schmuck, Edelsteinen und andern leichten, aber doch werthvollenDingen, vollpackte. Sie stand vor Djafar auf, küßte die Erde vor ihm, und sprach:„Herr! der Kala», (göttliche Feder) hat geschrieben, was Gott beschlossen." ' Erantwortete: „Bei Gott! der Chalif hat bloß den Tod über Ghanem verhängt." Siesagte: „Wisse, er hat Maaren zusammengepackt und ist damit nach Bagdad gereis't;ich Habe keine Nachricht von ihm. Ich wünsche nun, daß du diese Kiste aufbewahrestund zum Fürsten der Gläubigen bringen lassest." Er antwortete: „Ich bin bereit, zugehorchen." Er ließ dann die Kiste aufladen, ging mit Kut Alkulub, welche vonAllen sehr ehrerbietig behandelt wurde, zum Chalifen, nachdem Ghanems Haus
' d. h. es ist GeticS Wille,- daß ich durch deine Hand sterbe.