Z04 Dreihundert und zwciundvicrzigste Aucht.
»Das Herz des Gefesselten wird bald zerbröckeln; wie lange noch diesesAbwendcn von mir? wie lange noch? O du, der du dich von mir ohne meineSchuld abwcndcst! pflegen doch liebende Gazellen sich zu vereinigen; weiteTrennung und lange Entfernung, so viel kann kein Mann ertragen."
Sie Vermischten dann ihre Thränen und tranken, bis es Nacht ward. Dann standGH an ein auf und sprach: „Wir müssen uns trennen und dürfen nicht länger zusammenleben; denn was dem Beherrscher der Gläubigen gehört, muß für den Sklaven heiligscyn." Sie sagte: „Herr, thu' dies nicht! laß jene Gedanken! Eine Trennung vondir würde mich das Leben kostener aber weigerte sich. Die Liebesflamme entbrannte immermehr in ihrem Herzen, sie hing sich an ihn und sagte: „Bei Gott! wir wollen uns nichtmehr trennen." Seine Liebe aber war stärker als die ihrige, und er näherte sich ihrnun nicht mehr anders als in Ehrfurcht, die der Geliebten des Chalifen gebührt. IhreSehnsucht aber nahm immer zu und wuchs während der drei Monate, die sie zusammenverlebten. Kut Alkulub sang endlich mit müdem Herzen folgende Worte:
»Wunder der Schönheit! wie lange noch diese Ausflüchte? Was ist derGrund, daß du dich von mir abwcndcst? Du umfassest alle Arten und Zweigeder Schönheit und Änmnth, flößest jedem Herzen Liebespein ein und vertreibstden Schlaf aus jedem Auge."
So lebten sie lange in diesem Zustande, o König der Zeit! und Ghanem hieltsich in Ehrfurcht von ihr fern. Das ist's, was den liebeskranken Ghanem angeht;was aber die Frau Subeida betrifft, so war sie mit Kut Alkulub in der Abwesenheitdes Chalifen so verfahren; nun er aber zurückkehren sollte, war sie verlegen, irgendeine List zu erdenken, um dem Chalifen zu antworten, falls er nach ihr fragte. Sieeröffnete ihr Geheimniß einer alten Frau, die sic bei sich hatte, und sagte ihr: „Wassoll ich thun, da der Chalif Kut Alkulub über alle Maßen liebte?" Als die Alteihre Absicht errieth, sagte sie: „Wisse, meine Gebieterin! die Ankunft des Chalifen istnahe. Schicke zum Schreiner, daß er eine Menschenfigur aus Holz mache, und laß einGrab mitten im Schlosse graben, wir begraben hier diese Figur, bauen eine Wohnunghierher, und zünden Wachslichter und Lampen an, du aber befiehlst Allen, die imSchlosse sind, daß sie sich schwarz kleiden, und sagst deinen Sklavinnen und Dienern,daß, sobald sie die Rückkehr des Chalifen erfahren, sie Koth in den Eingang (desPalastes) werfen, und wenn er dann fragt, warum das geschehe? so sage ihm: KutAlkulub ist gestorben; Gott vermehre deinen Lohn ihretwillen! Sagt auch, Ihr habtsie hier im Schlosse begraben, weil sie Euch so'theuer war. Wenn der Chalif dies hört,
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