Dreihundert und zmciinidvicrziglle Uacht. Z03
in einer andern Welt. Als diese Schändlichkeit gelungen war, legte sie mich in dieseKiste, ließ dann die Sklaven heimlich kommen und bestach sie, ebenso die Pförtner; sowurde ich in der Nacht, wo du auf dem Dattelbaum schliefest, hinausgetragen, undman verfuhr mit mir wie du gesehen hast, bis du mir als Netter nahtest, mich hierherbrachtest und so treulich verpflegtest. Das ist meine Geschichte. Du kennst nun meinenRang und wirst meine Geschichte geheim halten."
Als Ghanem hörte, daß sie des Chalifen Geliebte sep, fuhr er zurück ausEhrfurcht vor dem Chalifen, setzte sich allein auf eine Seite des Gemachs, machtesich Vorwürfe und flößte seinem Herzen Stärke ein. Seine Liebe zu einem Gegenstände,den er nicht sein nennen durfte, machte ihn ganz verwirrt; im heftigen Schmerz undin seinen Klagen über das Schicksal sprach er folgende Verse:
„Das Herz des Geliebte» vergeht in Sehnsucht wegen seiner Freundin,er ist seines Verstandes wegen ihrer wunderbaren Schönheit beraubt; manfragte ihn: Wie schmeckt die Liebe? und er antwortete: Die Liebe ist süß,doch ist vieles Bittre dabei."
Kut Alkulub stand dann auf und sah ihn mitleidsvoll an, aber die Liebe zu ihrward immer mächtiger in seinem Herzen, denn sie gestand ihm auch die ihrige. IhreAugen redeten die Sprache der Sehnsucht, er aber that sich alle Gewalt an, aus Furchtvor dem Chalifen; sie unterhielten sich, im Meere ihrer Liebe versunken, mit einander,bis der Tag anbrach. Dann stand Ghanem auf, kleidete sich an und ging, wiegewöhnlich, nach dem Markte, kaufte ein, was er brauchte, und kehrte wieder nachHause zurück, wo er Kut Alkulub weinend fand. Als sie ihn aber sah, hörte sie aufzu weinen und sagte lächelnd zu ihm: „Es ist mir bange während deiner Abwesenheitgeworden, o Geliebter meines Herzens! Bei Gott! die Stunde, die du fern von mirzubringst, wird mir zu einem Jahre. Ich habe dir nun meinen Zustand dargestellt,laß uns jetzt an die Vergangenheit nicht weiter denken und ganz dem Augenblicke leben."Ghanem sprach: „Seit ich weiß, daß du dem Beherrscher der Gläubigen gehörst,
betrachte ich jede Minute, die ich mit dir zubringe, als einen Raub, den nur der Todj büßen kann." Er riß sich dann von ihr los und setzte sich auf die Matte. DurchGhanems Weigerung aber ward ihre Liebe nur noch heftiger, sie setzte sich an seineSeite, unterhielt ihn und scherzte mit ihm; er ward liebestrunken und schmachtete inSehnsucht. Er sang dann folgende Verse: