Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294 Dreihundert und vierzigste Nacht.

geblieben! Als mein Herr dieses hörte/ befiel Schrecken sein Gesicht/ er war nichtmehr seiner mächtig/ konnte nicht mehr aufrecht stehe»/ noch ein Glied rühren/ undsein Rücken war wie gebrochen. Er zerriß sogleich seine Kleider/ riß sich den Bartaus/ schlug sich in's Gesicht/ bis Blut floß/ und schrie: Wehe! o Kinder! o Fra»!o Unglück! wem ist se so etwas widerfahren? Seine Freunde, die Kaufleute, klagtenund weinten mit ihm, bemitleideten ihn und zerrissen ihre Kleider. Mein Herr tratdann jammernd zum Garten hinaus, und war im Uebermaß seines Kummers wiebetrunken wegen des großen Unglücks. Die Kaufleute folgten ihm. Auf einmal sahensie einen mächtigen Staub und hörten ein großes Geschrei und Jammern. Wie sie dieKommenden betrachteten, war es der Polizeioberste mit den Vorgesetzten, dem ganzenVolk und der Familie des Kaufmanns hintendrein; Alle aber schrien und weinten undwaren sehr niedergeschlagen. Mein Herr stieß zuerst auf seine Frau und Kinder, sprang,als er sie sah, erschrocken auf sie zu und rief: Wie geht's euch? was ist euch im Hausewiderfahren? Sie aber sagten, als sie ihn sahen: Gott sey für deine Rettung gelob«!Sie umgaben ihn fröhlich, seine Kinder hingen sich an ihm fest und schrien: O Vater!gelobt sey Gott für dein Entkommen! Seine Frau war tief gerührt uud kam fast vonSinnen, als sie ihn sah. Endlich sagte sie ihm: Bist du wohl, mein Herr? wie hastdu dich gerettet? und was machen deine Freunde, die Kaufleute? Er dagegen fragte:Wie ist es euch im Hause gegangen? Sie antwortete: Wir sind ganz wohl, undunserm Hause ist nichts Böses widerfahren. Aber der Sklave Kafur kam zu uns mitentblößtem Haupte und zerrissenen Kleidern, und schrie: O mein Herr! und als wirihn fragten: was gibt's, Kafur? antwortete er: Eine Gartenmauer ist auf meinenHerrn und die übrigen Kauflcute gestürzt und hat sie begraben. Da sagte mein Herr:Bei Gott! zu mir kam er so eben und schrie: O meine Herrin! o die Kinder meinerHerrin! Alle sind dir gestorben, o Herr! Bei diesen Worten erblickte er mich nebensich, wie ich immerfort schrie, Erde auf mein Haupt streute und meinen Turban zerrissen übermeinen Hals herunter hängen hatte. Er rief mir zu und sagte zu mir: Wehe dir, verruchterSklave! Sohn einer Hure! verdammtes Geschlecht! was hast du da für Unheil angestellt?Bei Gott! ich will dir dieHaut von den Beinen reißen. Meine Antwort war: Bei Gott!Herr! du kannst mir nichts thun, denn du hast mich mit einem Fehler gekauft, und dieZeugen werden auösagen, daß bedungen worden ist, ich sage jedes Jahr eine Lüge;dies war nur erst eine halbe, und am Ende des Jahrs werde ich die andere Lügesagen, so daß es eine ganze gibt. Er schrie mir zu: Du Hund! Sohn eines Hundes,ist das nur eine halbe Lüge? wahrlich, du bist mir ein großes Unglück. Geh fort