Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
238
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238 Dreihundert und ;n>eiundzn»rnzrglle Rucht.

Dann recitirte er noch folgende Verse:

Wenn ich je, o Gebieterin! »ach einer Andern verlangt habe, so mögeich nie meine» Wunsch nach dir erfüllt sehen! Wer begreift so wie du allesSchöne in sich, daß ich mich außer durch dich wieder erhebe» könnte? Fern sepvon mir, daß ich jemals eine Andre liebe, da um deinetwillen mein Herz undmeine Eingeweide krank sind."

Als Seif Almuluk diese Verse vollendet hatte, weinte er. Badiald Jamalaber sprach:O Prinz! ich fürchte, wenn ich mich dir ganz hingebe, ich möchte keinetreue Gegenliebe bei dir finden: denn die Menschen sind selten treu, es herrscht vielVerrath und Bosheit unter ihnen. Sogar unser Herr Salomon hat Balkis ausLiebe geheirathet, und sie dann einer Andern wegen wieder verlassen." Seif Almulukantwortete:Mein Herz! mein Auge! mein Geist! der erhabene Gott hat nicht alleMenschen gleich geschaffen. Ich werde, so Gott will, dir immer treu bleiben und zudeinen Füßen sterben; du wirst dich von der Wahrheit dessen überzeugen. Gott bürgtdir für meine Worte, er hört mich." Da sprach Badiald Jamal:So sitze aufrecht,und schwöre nach deinem Glauben mir Treue bei Gott, der den Verräther bestrafenwird!" Seif Almuluk setzte sich aufrecht, ebenso Badiald Jamal; sie ergriffensich die Hände und schwuren Niemanden sonst, weder von den Menschen noch von denDjinnen, zu lieben. Sie hielten sich eine Weile umarmt, küßten sich im höchstenEntzücken, und Seif Almuluk sprach folgende Verse:

Liebesschmcrz und unnennbare Sehnsucht verzehrten mein Herz, bis ich dichvon Angesicht zu Angesicht sah; nunmehr sind meine heißesten Wünsche erfüllt,und mein Herz kennt die höchste Wonne und die höchste Seligkeit. Gram undSchmerz fliehen mich nun, so wie sie sonst ihre Wohnung in meinem Busenaufgeschlagcn hatten."

Nach diesem Schwure stand Seif Almuluk auf und ging weg; Bad iald Jamalerwartete ihn mit einer Sklavin, die einige Speisen und Wein trug. Als er wiederkam stand sie auf und grüßte ihn, sie umarmten und küßten sich, aßen und trankeneine Weile. Dann sagte Badiald Jamal:O Prinz! wenn du in den GartenJrem trittst, so wirst du daselbst ein großes Zelt aufgerichtet sehen, von rothem Atlasund rings umher mit rother Seide, die Pfeiler sind von Gold; geh hinein, du findestdaselbst eine Alte auf einem goldnen Throne, und unter dem Throne steht ein goldnerSchemel; wenn du hinein kommst, so grüße mit Anstand und Würde, nimm ihre