Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
231
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Dreihundert und zwanzigste Nacht.

mich ganz, gib mir noch einen Hieb!" Ich wollte ihm noch einen Schlag auf den Kopfgeben, als mir der Mann, der mir das Rettungsmittel angegeben hatte, zurief:Schlageihn nicht mehr, sonst kehrt er in's Leben zurück und wird uns Alle umbringen!" Ichbefolgte den Rath dieses Mannes, und der Verruchte starb bald darauf. Der Mannsprach weiter:Oeffne nun die Pforten der Höhle, vielleicht wird uns Gott dazu helfen,daß wir einmal aus diesem Orte befreit werden." Ich sagte:Nun ist alles Bösevorüber, wir werden Ruhe haben, uns von diesen Schafen nähren und denWein trinken." Wir verweilten noch zwei Monate an diesem Orte, aßen von denSchafen und tranken von dem Weine; auch kosteten wir die Früchte, die hier wuchsen,bis wir eines Tages ein großes Schiff in der Ferne sahen. Wir gaben ihm einZeichen und riefen laut. Die Schiffleute aber fürchteten sich vor diesem Verruchten, densie als einen Wehrwolf auf dieser Insel kannten, und gaben uns kein Gehör. Wirwinkten ihnen immer zu und schrien:Der Verruchte ist todt, kommt und nehmet seineHeerde und was er sonst besitzt." Endlich nahte sich ein Trupp Matrosen in einemNachen und stieg an's Land. Wir führten sie zu diesem Verruchten; sie aber nahmen,als sie sahen, daß er todt war, alle Kleider und alles Geld, das in dex Höhle war,sammt den Schafen; auch sammelten sie Früchte auf lange Zeit. Wir stiegen dann mitihnen auf das Schiff, und sie brachten uns hieher, wo ich eine gut regierte Stadt fand,die von braven Leuten bewohnt wird; ich ließ mich hier nieder, wo ich nun schon seitsieben Jahren als Schiffsmakler lebe; gepriesen sep Gott, der ein solches Ende herbeigeführt!Mein einziger Kummer war, nicht zu wissen, wo du lebst und was aus dir gewordenist; ich betete zu dem allmächtigen Gott, er möge mich bis zu unserm Wiedersehen lebenlassen: mein Herz ist nun ganz der Freude offen, seit der Allmächtige, dem Ehre, mich mitdir vereinigt."

Seif Almuluk stand setzt auf, ging in's Harem zu Dawlet Chatun undsagte zu ihr:Herrin, wo bleibt das Versprechen, das du mir im festen Schlossegegeben? Hast du mir nicht gesagt: wenn ich zu den Meinigen zurückgekehrt seyn werde,so will ich mein Möglichstes thun, um dein Verlangen zu stillen?" Sie antwortete:Sohabe ich gesagt, und bin auch bereit, zu gehorchen." Nach diesen Worten stand sie auf,ging zu ihrer Mutter und sprach zu ihr:O Mutter! komm, wir wollen uns schönPutzen und dann Räucherwerk anzünden, damit Badiald Jamal mit ihrer Mutter kommeund sich freue, mich wieder zu sehen." Die Mutter sagte:Thue das, meine Tochter."

Bei dieser Stelle bemerkte die Sultanin Schehersad den Anbruch des Tages undverschob die Erzählung bis zur folgenden Nacht, wo sie also sprach: