Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
229
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Dreihundert und zwanzigste Nacht. 229

und ihre Füße ganz locker um unfern Hals hingen. Wir luden sie alsdann ab,legten sic zusammen, sammelten viel Holz von Weinreben, legten es um sie herum undbedeckten sie damit. Dasselbe zündeten wir an und blieben in der Ferne stehen, um

znzusehen. In einem Augenblicke flammte das Holz hoch auf; sie verbrannten Alle undwurden zu einem Haufen Asche, und Keiner von ihnen entkam. Wir dankten Gott fürunsere Rettung, verließen die Insel, gingen an'ö Meeresufer und trennten uns voneinander. Ich ging mit zwei Mamelucken in einen großen Wald, wo wir Früchte aßen.Da kam eine große Gestalt mit langem Kinn und langen Ohren, mit Augen wieFackeln; sie hatte eine große Heerde vor sich, die sie weidete. Als sie uns sah, hieß sieuns willkommen, freute sich mit uns und sagte:Kommt zu mir, ich will euch eins vondiesen Schafen schlachten und braten, und es euch zu essen geben." Wir sagten:Wowohnst du denn?" Der Niese antwortete:In einer Höhle, deren Oeffnung ihr findenwerdet, so wie ihr um den Berg dieser Insel herumgeht. Geht nur hin, dort findetihr viele Gäste, die euch gleichen!" Wir glaubten, er sage die Wahrheit und gehörezu den aufrichtigen Menschen; wir suchten daher die Höhle auf.

Als wir hineinkamen, sahen wir Menschen darin, die uns glichen, sie warenaber Alle blind. Als wir uns zu ihnen gesellten, sagte Einer von ihnen:Ich binkrank," ein Anderer:Ich bin schwach." Wir befragten sie darum. Sie antworteten:Auch ihr kommt, unser Loos zu theilen! Wie seyd ihr in die Gewalt dieses Verruchtengekommen? Es gibt keinen Schutz und keine Macht außer bei Gott, dem Erhabenen!Das ist ein Wehrwolf, der die Menschen frißt." Wir fragten:Wie hat er euch blindgemacht?" Sie antworteten:Auch euch wird er sogleich mit einem Becher Milch blindmachen. Er wird euch sagen: Ihr kommt von der Reise, trinkt diese Milch, bis icheuch das Fleisch brate und es euch bringe; so wie ihr alsdann die Milch trinkenwerdet, wird das Licht eurer Augen verlöschen." Ich dachte: hier kann ich nur durchList entkommen. Ich stellte mich in eine kleine Nische, und nach einer Weile kam derVerruchte zur Thüre herein mit drei Bechern Milch. Er reichte mir einen davon unddenen, die mit mir waren, und sagte:Ihr seyd hungrig und durstig von der Reise,nehmet diese Milch und trinkt einstweilen, bis ich euch das Fleisch brate!" Ich nahm denBecher, führte ihn an den Mund und goß ihn heimlich aus, fuhr dann mit denHänden an die Augen und schrie:Ich habe meine Augen verloren!" und weinte; eraber lachte und sagte:O Said! nun bist du auch wie diese geworden, die in derHöhle sind!" denn der Verruchte glaubte, auch ich scy nun blind, wie es meinebeiden Begleiter wirklich geworden. Der Verruchte stand dann sogleich auf, schloß die