IM
Dreihundert und fünfte Nacht.
^önig der Zeit! Seif Almuluk soll damals folgende Verse gedichtet baden:
„Hätte ich früher die Macht der Liebe gekannt, so wäre ich wenigerunvorsichtig gewesen. Ehe ich ihr Bild sah, schlugen ruhig meine Pulse undmein Herz klopfte unhörbar. Nunmehr bin ich trunken vor Liebe, und Jubelerfüllt meine Seele."
Seif Almuluk war außer sich, bald vor Freude, bald vor Kummer, daß er denGegenstand dieses Bildes nicht besitze. Er vergaß ganz, wo er war, und ging wild voneinem Saal in den andern, bis endlich der Vezier Said davon erwachte. Als dieserSeif Almuluk nicht an seiner Seite fand, dachte er bei sich: Wo mag Seif
Almuluk wohl hingekommen seyn? Er stand dann auf und ging im ganzen Palasteumher, um ihn zu suchen, bis er ihn endlich fand. Erstaunt darüber, was ihn soaußer sich bringe und ihm die Ruhe raube, fragte er ihn mit Theilnahme: „Was istdir begegnet, mein Bruder? laß es mich wissen, damit ich dir helfen kann. Verhehlemir nichts, denn meine Liebe zu dir ist groß." Aber der börte ihn nicht an, hob nichteinmal seinen Kopf in die Höhe, sondern weinte immer fort und jammert entsetzlich.