Zweihundert und sechsundsechzigste Nacht.
Freunde! ich brauche euch nicht zu sagen, welch ein trauriger Zeuge ich von Allemdem war. Alle andere Personen, die beiwohnten, schienen wenig davon ergriffen zuseyn; so sehr waren sie durch den öfter» Anblick ähnlicher Scenen abgestumpft worden.Ich konnte mich nicht enthalten, dem König meine Ansicht hierüber zu sagen. „König!" ^sprach ich, „ich kann dir nicht genug mein Erstaunen über den grausamen, in deinenLändern eingeführtcn Gebrauch ausdrückcn, daß die Lebenden mit den Todten begrabenwerden. Ich habe viel gereist, die Sitten vieler Länder kennen gelernt, aber wasAchnlichcs ist mir nirgends vorgekommen." — „Ich kann nichts daran ändern," war desKönigs Antwort: „es ist ein allgemeines Gesetz für mein Reich und ich unterwerfe michihm selbst, und werde mich lebend mit der Königin, meiner Gemahlin, begraben lassen,wenn sie vor mir stirbt." — „Dürfte ich mir die Frage erlauben, großer König!" sagteich, „ob dieses Gesetz auch für Fremdlinge gilt?" — „Allerdings," erwiderte er mir lächelndund den Grund meiner Frage crrathend, „sind sie nicht davon auögenoinmen, wenn siesich mit Eingcbornen verheirathet haben."
Ich kehrte traurig in meine Wohnung zurück. Die Furcht, daß meine Frau vormir sterben könne und daß ich dann lebend mit ihr begraben würde, flößte mir sehrtrübe Gedanken ein. Was sollte ich aber thun? Mich gedulden und Alles dem WillenGottes anheimstellcn. Trotz dieser Ergebung zitterte ich doch bei dem geringstenUnwohlseyn, das meine Frau befiel; aber ach! mein Schrecken wurde bald zu groß:denn sie erkrankte wirklich und starb kurz darauf.
Sckchersad schloß mit diesen Worten und fuhr die folgende Nacht fort: