Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
86
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86 Zweihundert und sechsundsechzigstc Nacht.

Leben!" war meine Anrede.Ach!" rief er aus,was können mir deine Segenswünschenützen? Ich babe bloß noch eine Stunde zu leben!" Ich antwortete:Beschäftige dich,Freund! mit keinen solchen trüben Gedanken; ich hoffe, daß dies nicht geschehen wirdund daß ich dich nock lange zum Freund behalte." Er aber sagte:Ich wünsche, daß deinLeben von langer Dauer sey; was mich betrifft, meine Stunden sind gezählt und duerfäbrst hiermit, daß man mich beute mit meiner Frau begraben wird. Dies ist derGebrauch unsers Bolkes von Alters her und der heilig gehalten wird; der lebende Mann

wird mit seiner gestorbenen Frau und die lebende Frau mit ihrem-gestorbenen Mann

begraben. Nichts ist im Stande, mich zu retten, da Jedermann sich diesem Gesetzeunterwirft."

Während er mich von diesen grausamen Sitten unterhielt, die mich tief erschreckten,nabten sich die Eltern, Freunde und Nachbarn, um sämmtlich dem Begräbnisse beizuwohnen.Man schmückte den Leichnam der Frau auf's reichste und glänzendste, wie am Tage der

Hochzeit, und hing ihm alle ihre Edelsteine um. Drauf legte man ihn in die offene

Babrc und der Zug setzte sich in Bewegung. Der Gemahl ging den Trauernden dichthinter der Tobten voran. Man zog auf einen hoben Berg, worauf ein großer Steinsich befand, der einen tiefen Brunnen bedeckte, und ließ den Leichnam hinunter, ohne ihnzu entkleiden oder die Edelsteine abzunehmen. Drauf umarmte der Mann seine Elternund Freunde und ließ sich ohne Widerstand in eine Bahre legen, mit einem Wassertopfund sieben kleinen Broden. Drauf ließ man ibn ebenso hinab, wie cS mit der Fraugeschehen war.

Der Berg dehnte sich weit auö und grenzte an das Meer; auch war der Brunne»sehr tief. Als die Ccremonic vorüber war, setzte man den Stein wieder auf dieOeffnung.