Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
85
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Zweihundert und sechsnndscchzigste flacht. 85

erzeigen. So ward ich bald allgemein als ein Eingeborner, nicht als ein Fremderbetrachtet.

Ich bemerkte in diesem Lande Etwas, das mir sehr ungewöhnlich schien. Jedermann,den König selbst nicht ausgenommen, stieg zu Pferde, ohne Steigbügel und ohne Zaum.Ich nahm mir daher eines Tags die Freiheit, den König zu fragen, warum er sichnicht solcher bequemen Dinge bediene. Seine Antwort war: ich spreche ihm von Dingen,deren Anwendung man in seinen Staaten nicht kenne. Ich ging sogleich zu einemHandwerker und lehrte ihn einen Sattel nach einer Zeichnung bauen, die ich ihm gab.Als derselbe fertig war, fütterte ich ihn mit Wolle aus und besetzte ibn mit Leder; auchließ ich ihn mit Gold sticken. Drauf ging ich zum Schlosser, der mir eine Gebißstangcund Steigbügel, wie ich ihm zeigte, machte.

Als Alles dies auf's beste fertig war, ging ich hin zum König, zeigte es ihm undprobirte es an einem seiner Pferde. Der König bestieg dasselbe und hatte an der Erfindungsolches Gefallen, daß er mir seine Freude durch die glänzendsten Geschenke bezeigte.Drauf machte ich verschiedene Sättel für seine Minister und übrigen Großen, die mirAlle Dinge schenkten, die mich binnen Kurzem zum reichen Mann machten. Auch bei denübrigen Einwohnern kam ich in großen Ruf und war allgemein geschätzt und geachtet.

Da ich regelmäßig dem König meine Aufwartung machte, so sagte er mir einesTages:Sindbad! Ich habe dich gern und weiß auch, daß alle meine Unterthanen,die dich kennen, dasselbe thun. Ich habe eine Bitte an dich; du mußt mir vcrsvrechen, !sie zu erfüllen."Großer König!" war meine Antwort,cs gibt nichts, was ich nichtzu erfüllen bereit wäre, um deinen Befehlen meinen Gehorsam zu zeigen; gebiete übermich." Der König erwiderte:Mein Wunsch ist, du nehmest eine Frau, damit dichdieselbe an meine Länder fessele und du nicht mehr an dein Vaterland denkest." Da ichnicht wagte, dem Befehl des Königs zuwider zu handeln, so heirathete ich die Frau,die er mir gab; es war eine vornehme Frau seines Hofstaats, mit den schönsten undherrlichsten Eigenschaften. Nach den Hochzcitfcierlichkcilen zog ich zu ihr und lebte langeglücklich mit ihr. Ich war dennoch nicht mit meiner Lage zufrieden; es war vielmehrmeine Absicht, bei der ersten Gelegenheit zu entfliehen und nach Bagdad zurückzukehrcn,wohin ich mich trotz allem äußern Glanze, der mir augenblicklich zu Gebot stand,zurück dachte.

Ich war mit diesen Gedanken beschäftigt, als die Frau meines Nachbars, mit dem ichin engen Banden der Freundschaft lebte, krank wurde und starb. Ich ging zu ihm, umihn zu trösten, und fand ibn tief bekümmert.Gott stärke dich und verleihe dir ein langes