Zweihundert und zweiundscchzigste Macht
uns von Früchten und Pflanzen, wie den vorhergehenden Tag, nährten. Gegen Abendsuchten wir wieder ein Obdach, um uns zur Ruhe begeben zu können, fanden aberkeines, und waren daher abermals genöthigt, in's Schloß zurückzukehren.
Der Niese kam bald darauf zurück, um einen zweiten unserer Gefährten zuverzehren, worauf er wieder eiuschlief und bis zum Morgen schnarchte. Drauf ging erspazieren, -wie den vorhergehenden Tag; unsre Lage schien uns unter diesen Umständenso schrecklich, daß mehrere meiner Kameraden im Begriffe waren, sich eher in's Meerzu stürzen, als einem so seltsamen Tode entgegen zu gehen. Sie versuchten, uns zueinem gleichen Entschlüsse zu bereden. Hierauf nahm einer von uns das Wort undsprach: „Gott hat den Selbstmord verboten; wäre dies aber auch nicht der Fall, istes nicht viel einfacher, zu versuchen, wie wir dem Ungethüm, das uns schlachten will,auf eine andere Weise entgehen können?"
Ich war indessen auf einen Einfall gerathcn, den ich meinen Kameraden mittheilteund den sie billigten. „Brüder," fing ich an, „ihr wißt, daß sich längs der MeeresküsteGehölz vorfindct; wenn ihr Vertrauen habt, so wollen wir daraus Flöße bauen, dieuns weiter bringen, und sie am Meercsuser liegen lassen, bis sie fertig sind und wirden Augenblick für günstig halten, uns derselben zu bedienen. Vor Allem wollen wirversuchen, uns des Riesen zu entledigen; glückt dies, so können wir ein Schifferwarten,das uns von dieser Insel führt; schlägt es dagegen fehl, so setzen wir schnell auf unsreFlöße und suchen die hohe See zu gewinnen. Zwar laufen wir einige Gefahr, wennwir uns der Wuth der Wellen auf so gebrechlichen Fahrzeugen anvertrauen; hat auchder große Gott unfern Untergang beschlossen, so ist es doch immer besser, auf diese Weifeumzukommen, als uns im Bauche dieses Ungeheuers begraben zu lassen, das schon zweiunsrer Gefährten verschlungen hat." Mein Rath wurde gut geheißen und wir bautenFlöße, die drei Personen zu tragen im Stande waren.
Wir kehrten gegen Abend in's Schloß zurück und bald darauf kam auch der Riesean. Wir hatten den Schmerz, ihn noch einen unserer Kameraden braten zu sehen. Merktauf, wie wir es angriffen, uns für seine Grausamkeit zu rächen. Nachdem er seinabscheuliches Nachtessen zu sich genommen hatte, legte er sich auf den Rücken und schliefein. Als wir ihn nach seiner Gewohnheit schnarchen hörten, ergriffen neun der Kühnstenvon uns ein Jeder einen Bratspieß, steckten dessen Spitze in das Feuer, um sie glühendzu machen, und stießen damit Alle auf einmal seine Augen aus.
Der Schmerz, den der Riese empfand, preßte ihm die schreckhaftesten Angstrufe aus.Er stand schnell auf und streckte die Arme weit aus, um einen von uns zu fassen und