Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
51
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Lweihundert und achlundsiinfziqstc Uucht. 51

wir so in der größten Freude waren, schrie auf einmal der Capitän ganz laut vomSchiffe ans uns zu:Wehe, ihr Reisende! kommt schnell auf das Schiff, laßt alle eureGeräthschaften im Stiche und rettet nur schnell euer Leben vor dem Untergange, denndie Insel, auf der ihr scyd, ist nichts als ein großer Fisch, der nun zu wenig Wasserhat und nicht auf dem Lande leben kann. Auch hat der Wind den Sand von ihmweggeblasen, und da er jetzt das Feuer auf seinem Rücken spürt, fängt er an sich zubewegen und wird nun mit euch in's Meer tauchen; kommt daher schnell auf's Schiffund rettet euer Leben." Aber noch ehe der Capitän ausgercdct hatte, fing die Inselan sich zu bewegen und mitten in's stürmende Meer unterzutauchen, so daß Alle, diedarauf waren, untcrgingcn. Auch ich sank in die schäumenden Wellen, aber Gott halfmir durch ein großes Brett, auf dem die Reisenden gewaschen hatten. Mit leichtemHerzen bestieg ich es, und der Wind spielte mit mir mitten im Meere. Der Capitän,der die Leute, die auf der Insel waren, untergehen sah, spannte die Segel auf undfuhr mit der Mannschaft, die bei ihm auf dem Schiffe geblieben, davon. Ich sah dasSchiff von ferne, konnte es aber nicht mehr einholen. Der Tag war schon vorüber,die Nacht brach herein mit ihrer Dunkelheit, und das Schiff entschwand nun ganzmeinen Blicken. So blieb ich den Wellen preisgegeben und kämpfte mit ihnen dieganze Nacht hindurch. Am andern Morgen fühlte ich mich so erschöpft, daß ich michzum Tode vorbereitete; da warf mich eine große Woge glücklicherweise auf eine Insel.Die Ufer aber waren so abschüssig, daß man nirgends hinaufsteigen konnte, und ichwäre Angesichts derselben untergegangen, wenn nicht einer der Bäume, welche längsder Küste standen, seine Neste so weit erstreckt hätte, daß ich ihn ergreifen konnte. Ichhing mit aller Kraft und Anstrengung daran fest, kletterte auf den Baum hinauf undvon da herunter auf die Insel. Meine Füße schmerzten mich sehr, und als ich -siebetrachtete, sah ich, daß die Fische das Innere meiner Zehen abgefreffen hatten, ohnedaß ich cs vor vieler Anstrengung bemerkt hatte. Ich warf mich nun auf den Bodennieder, denn ich war von meinen vielen Leiden bewußtlos wie ein Todter. So bliebich vom ersten Nachmittag bis zum folgenden Morgen liegen, und erwachte erst, als dieSonne sich schon über die Erde verbreitet und die Insel beschienen hatte. Ich richtetemich auf und versuchte zu gehen, was mir aber bei dem Zustande meiner Füße, die inder Nacht noch angeschwollen waren, sehr schwer wurde; dessenungeachtet schleppte ichmich weiter, um einige Kräuter zur Nahrung zu suchen, aber nur wenige Schritte konnteich auf den Fersen machen, so mußte ich wieder stehen bleiben und ausruhen. Endlichfand ich einige Früchte und auch einen kleinen Bach, dessen Wasser mich wenig erquickte,