42 Zweihundert und sechsmidfiiiiszigste Tlacht.
besaß er einen Palast, der einem Sultan zur Wohnung hätte dienen können. DieWände waren mit den reizendsten Malereien und Zierrathen bedeckt, und glänztenvon Gold und Edelsteinen; alle Zimmer, sogar die mit weißem Marmor belegten Gängeund Höfe, wurden täglich mit dem feinsten Nosenwasscr besprengt, köstliche Näucherwerkebrannten ohne Unterbrechung auf goldenen Schalen und erfüllten das ganze Haus mitden süßesten Wohlgerüchen, die sich mit dem Dufte der unzähligen Blumen vermischten,welche in den an's Haus grenzenden Gärten wuchsen. Diese Gärten selbst waren mitSpringbrunnen, Seen, Lusthäusern und allen Dingen angefüllt, die sich das Herz nurwünschen kann. Viele Sklavinnen, immer eine schöner wie die andere, von allenNationen und Farben, eine Menge junger und alter Sklaven harrten seiner Winke undkein Tag verging, an dem nicht ein Fest gefeiert wurde. Bis tief in die Nacht hineinerscholl Gesang und die herrlichste Musik von Cymbcln, Harfen und andern Instrumenten.Die angesehensten Leute aus der Stadt waren Sindbads Freunde, das Volk liebteihn als seinen Wohlthätcr, und er genoß alle Freude und Lust eines Sultans, ohneseine Gefahren und Mühen zu thcilcn. Während der Seemann dies Alles besaß, warder Andere ein armer Teufel, der um Lohn den Leuten ihre Lasten da und dorthin trug,wie ein Lastlhier, und er mußte sich noch glücklich schätzen, wenn er nur alle TageJemanden fand, der ihn gebrauchte; denn sonst mußte er und seine Familie hungrig zuBette gehen, was wohl auch vorkam. Eines Tages nun stand dieser geplagte Mannan dem Hafen, wo die Maaren aus- und cingeladcn wurden, und harrte, ob er nichtnoch etwas verdienen könne, denn er war sehr hungrig. Da kam ein Mann auf ihnzu und sagte: „Willst du mir diese Last da und dahin tragen?" Sindbad erklärtesich bereit dazu, und nachdem ihm der Fremde den geringen Lohn gegeben und gesagthatte, wo er den Pack hintragen solle, ging er fort. Sindbad lud sich die sehr schwereBürde auf und verfolgte, triefend von der Last und der drückenden Sonnenhitze, denihm angegebenen Weg. Dieser führte an dem Hause Sindbads des Seefahrersvorüber, und da der Träger sehr ermüdet war und sich eben ein sanfter Wind erhob,der, verbunden mit den vielen Springbrunnen, diese Stelle zu einem angenehmen undkühlen Ruheorte machte, so legte er seinen Pack aus das rein gekehrte und bespritzteMarmorpflaster und setzte sich nieder, um ein wenig zu ruhen; denn er hatte noch einetüchtige Strecke zurückzulcgen.
Wie er nun so dasaß und sich den Schweiß von der Stirne trocknete, da wurdenseine Geruchsnerven plötzlich von einem unendlich süßen Dufte gereizt, der von Aloe undAmbra in kleinen blauen Wolken aus den Fenstern des Hauses wirbelte, und vermischt