Zß Srvc'chiiiidt'rt und sünsundsiinszigstc Nacht.
muß man die Kur forisrtzen, bis der böse Geist sie ganz verlassen hat." — „Triff nurdeine Anstalten," sagte der König, „und wehe dem, der sie nicht buchstäblich ausführt!" —„Ich wünschte," fuhr nun der Prinz fort, „daß sic von zehn Sklavinnen in'ö Bad getragenwerde; sie darf aber nicht mit der Zehenspitze den Boden berühren. Dann laß ihr denkostbarsten Schmuck von Perlen und Edelsteinen umhängen, damit ihr Herz seinen Kummervergesse und ihr Gemüih sich erfreue. Ist das Alles geschehe», wie ich anordne, so laßsie auf einem Stephanien außerhalb der Stadt bringen, wo du sie gefunden hast; den»dort ist der böse Geist in sie gefahren." Voll Verwunderung darüber, daß der Prinzvon allen Umständen so genau unterrichtet war, sagte der König: „O Weiser undGelehrter, der alle Dinge weiß auf Erden, bei dem erhabenen Gott! einen Mannwie du habe ich noch nie gefunden! Sobald die Prinzessin vollends geheilt ist, werdeich Allem aufbieten, um dich so zu ehren und zu belohnen, wie es deine große Gelehrsamkeitverdient. Alle deine Anordnungen sind mir Befehle, und bei meinem Barte, sie sollenBuchstabe für Buchstabe vollzogen werden." Er ließ nun sogleich die PrinzMn auf dievon dem Prinzen verlangte Weise in's Bad tragen und dort mit Rosenwasser undandern köstlichen Essenzen waschen; er selbst aber wählte in eigener Person den reichstenSchmuck, den er in seiner Schatzkammer fand, aus, der ein ganzes Königreich werthwar, und schickte ihn der Prinzessin in's Bad. Als diese auf einem Thron von denzehn Sklavinnen wieder aus dem Bade getragen wurde und der König sie erblickte,sprang, ihm fast die Brust vor Entzücken über ihre unvergleichliche Schönheit; denn siestrahlte wie der Mond aus der Tiefe des Sees und Frische und Duft, wie von tausendRosen, strömte von ihr aus und berauschte Jeden, der in ihre Nähe kam. DieSchmetterlinge verließen ihre Blumenkelche und flogen nach ihren Wangen, und dieVögel erhoben sich singend und jubelnd in die Lüfte, als ob die Sonne emporsteige.Als sie den Schleier über ihr erröihendes und lächelndes Gesicht fallen ließ, da war esJedem, als ob die Erde finster würde und alle Farben ihren Glanz verlören. Auchder Prinz ruhte mit unaussprechlicher Lust auf ihrer Schönheit, und sein Herz brachihm fast bei dem himmlischen Gedanken, daß der allmächtige Schöpfer diese Reize nurfür ihn geschaffen habe. Er dankte ihm in seinem Herzen und flehte ihn an, ihn beiseinem Vorhabe» nicht zu verlassen. Die Prinzessin ward nun die Treppen hinabgetragenund auf einen mit seidenen golddurchwirktcn Teppichen bedeckten Elephanten gesetzt. Dannsetzte sich der Zug, unter Anführung des Königs und des Prinzen, umgeben von denVezieren mit ihren Truppen, in Bewegung und durchzog die Stadt und die Gärten,bis zu der Stelle, wo die Prinzessin mit dem Alten gerungen hatte. Hier wurden die