Zil'nhun-ert und vierundfüiifzigste Nacht.
wissen, in welchem Lande er sich befinde, in die Hauptstadt und hier hörte er schon amersten Abend seiner Ankunft mehrere Leute auf dem Bazar von dem König und einemMädchen sprechen, das man allgemein ebenso bedaure wegen seines Unglücks, als bewunderewegen seiner Schönheit. Er näherte sich den Leuten mit Anstand und Höflichkeit undersuchte sie, ihm diese Begebenheit, von welcher sie mit soviel Theilnahme sprächen, auchmitzutheilen. „Wisse," sagte der Eine von ihnen, „unser König ging vor einiger Zeitauf die Jagd, da hörte er ein Hülferusen, und wie er hinkam, war cs ein schönesMädchen, das mit einem alten Manne rang, und neben ihnen stand ein merkwürdigesPferd, das war von schwarzem Holze sehr kunstreich gearbeitet. Als der König denAlten fragte, was er mit dem Mädchen habe, sagte dieser: sie ist meine Frau und ichzüchtige sie wegen Untreue. Das Mädchen aber fiel dem König zu Füßen und schrie:Beim erhabenen Gott schwöre ich, daß er lügt und ein Zauberer ist, der mich listigerWeise aus meines Vaters Hause entfernt hat. Der König glaubte ihren. Worten, dennsie hatte ein sehr vornehmes, anständiges Aussehen und war über alle Maßen schön.Er ließ den Alten prügeln und in's Gefängniß werfen; das hölzerne Pferd befahl erin seine Schatzkammer zu führen; das Mädchen aber nahm er mit sich in's Schloß undso bezaubert war er von ihren Reizen, daß er sie »och am selben Abend heirathe»wollte. Schon war der Kadhi und Alles bereit, die Gärten illuminirt und große, niegesehene Festlichkeiten veranstaltet, da ward das Mädchen plötzlich verrückt und raste,daß vier Sklavinnen sie nicht halten können. Seit der Zeit wendet der König, der vorLiebe und Gram ganz krank geworden ist, Alles für Aerzte und Astrologen auf, aber nochhat sich keiner gefunden, der ihr hätte helfen können, so große Preise auch der Königdarauf gesetzt hat." Der Prinz hörte diese Erzählung mit wechselnden Gefühlen an,als er aber das Ende vernahm und die Gewißheit hatte, daß die Prinzessin den Könignicht geheirathet habe, da war seine Freude außerordentlich und er rief laut aus: „Gottsey gelobt und gepriesen! Es bringt dir Jemand Neuigkeiten, die du nicht erwartethast." Die Leute wichen vor ihm zurück und sagten: „Der hat auch den Verstandverloren und wird noch sein Leben dazu verlieren, wenn der König erfährt, daß er sichüber den Wahnsinn des schönen Mädchens freut." Der Prinz aber hörte nicht mehrauf sie, sondern sprang mehr, als er ging, in das Gemach, das er gcmiethet hatte,und kleidete sich als Astrolog, machte sich weite herabhängende Aermel, setzte einengroßen Turban auf, färbte seine Augenbrauen und kämmte seinen Bart. Dann nahmer eine Schachtel mit zwei Händen voll Sand und zwei Bücher unter den Arm, wovondas eine alt und zerrissen, das andere aber köstlich fein eingebunden war; in die eine