Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
30
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HO Zweihundert und vierundfünfzigfte Nacht.

der Wand zu zerschmettern. Die Frauen, welche ihr der Sultan zur Bedienung gegeben,eilten auf sie zu, hoben sie an Armen und Füßen und trugen sie auf ein Polster; derSultan selbst verließ höchst verwirrt und betrübt über diesen Krankheitsanfall ihr Gemach,befahl, alle Aerzte und Astrologen in seinem Reiche zusammenzurufen und dem eine großeBelohnung zu versprechen, der die Prinzessin von ihrer Vcrstandesverwirrung heile.Diese kam indessen wohl wieder zu sich, da sie aber in der Stille der Nacht Alles wohl

überlegte, so sah'sie ein, daß sie den Bewerbungen des Königs nur dann entgehen

könne, wenn sie sich fortwährend verrückt stelle. Auf diese Weise hoffte sie dem Prinzenihre Treue zu bewahren und Gelegenheit zur Flucht zu bekommen. Sie war auch sogeistreich und schlau, daß Niemand ihre Verstellung merkte, und da sie, so oft der Königzu ihr kam, sich immer wüthender stellte, die seltsamsten Reden ausstieß, ja auf ihnselbst loszustürzen suchte, so stellte er seine Besuche, wie viel Schmerz es ihm auchmachte, beinahe ganz ein, und begnügte sich damit, für alle ihre Bedürfnisse zu sorgen. und alle Weisen und Aerzte aufsuchen zu lassen. Alle Tage ließ er sich nach ihrem Befindenerkundige», aber jedesmal meldete man ihm entweder, es sey beim Alten, oder dasUebel habe eher zu- als abgenommen. Nu» kamen nach und nach die Aerzte an, vondenen jeder behauptete, ein Mittel gegen diese Krankheit zu besitzen, und der König ließeine» um den andern zu der Prinzessin führen. Diese aber, welche das vorausgesehenhatte und fürchtete, wenn sie sich den Puls fühlen lasse, könnte der eine ober der andereauf den Gedanken kommen, daß sie ganz gesund und ihre Krankheit nur Verstellungsep, stellte sich, so oft einer zu ihr wollte, so wüthend, schlug mit Händen und Füßen

so um sich, daß keiner ihr zu nahen wagte, aus Furcht, sie möchte ihm die Augen

auskratzen und die Zähne einschlagen. Einige zwar ließen sie halten und gingen zu ihr

hin, diese aber brachte sie durch ihre Reden, ihre wüthenden Geberden und Anstrengungen,

sich loszumachen, ganz in Verwirrung, so daß, auch sie nichts zu sagen und zu thunwußten.

Während das mit der Prinzessin vorfiel, wunderte der Prinz, ihr Geliebter, derseinen Vater verlassen hatte, kummervoll von einem Land zum andern und durchstreiftealle Städte und Dörfer, wo er alle Quartiere und Bazare besuchte, sich mit allen

Kauflcuten und Reisenden i» Gespräche einließ, um irgend eine Nachricht von derPrinzessin, seiner Braut, zu erfahren. Aber nie hörte er auch nur das Geringste, wasihn hätte auf ihre Spur führen können, und schon überließ er sich dem quälenden

Gedanken, er habe eine ganz entgegengesetzte Richtung eingeschlagen, da führte ihn derAllwissende und Allhörende wie durch einen Zufall nach China. Er kam, ohne zu