Zweihundert und vierundfünszigfte Nacht. 29
meines Bräutigams entführt hat aus Rache, weil er ihm seine Schwester nicht zurFrau geben wollte."
Der König von China, entzückt über die Schönheit und den Anstand der Prinzessin,hob sie auf und sagte: „Es bedarf nur eines Blickes auf euch Beide, um zu entscheiden,
wer Recht und Unrecht hat. Gebt diesem schändlichen Alten sogleich die Bastonade undführt ihn gefesselt in's Gefängniß bis auf weitere Befehle." Die Diener des Königsvollstrecktcn diesen Befehl vor den Augen der Prinzessin, der dies zu großer Gcnugihuunggereichte.
Der König ließ sie dann auf ei» Pferd setzen und kehrte an ihrer Seite nach derStadt zurück. Unterwegs fragte er sie, was denn das für ei» Pferd scp, das der Altebei sich gehabt und ein Diener hintennach führte. Die Prinzessin war vorsichtig genug,das Geheimniß mit dem Pferde nicht zu entdecken, und sagte deßhalb nur: „O Herr!
auf diesem hölzernen Pferde ritt er vor den Leuten und machte allerlei Kunststücke darauf."Wie der König das hörte, befahl er seinen Dienern, als sie im Schloß ankamen, dasPferd in die Schatzkammer zu führen. Er war voll Vergnügen über die Schönheit derPrinzessin, die er sogleich in eines seiner Zimmer hatte bringen lassen, und sagte lächelndzu seinem Vezier: „Wir sind ausgegangen, um wilde Thiere zu jagen, und habendafür eine menschliche Gazelle gefangen." Sein Herz war voll von ihren Reizen, undso heiß war seine Liebe, daß er noch am selben Abend, nachdem er die Prinzessin hattein's Bad führen und auf's prächtigste schmücken lassen, zu ihr ging, um ihr seine Handanzubieten. Er hatte schon Befehl gegeben zur Beleuchtung der Gärten und der Stadt,prachtvolle Festlichkeiten wurden angeordnet und eine große Anzahl königlich gekleideterDiener und schöner Sklavinnen zogen unter Musik und Gesang vor ihm her. DiePrinzessin, im Glauben, nun allen Nachstellungen entgangen zu scyn, hatte sich nach demBade ein wenig niedergelegt und schlief mit dem frohen Gedanken ein, ihren Prinzen,dem sie unverbrüchliche Treue geschworen hatte, bald wieder zu sehe», denn sie zweifeltegar nicht daran, daß der König sie, die Tochter eines so mächtigen Königs, sicher inihre Heimath oder nach Persien werde geleiten lassen. Wie war sie aber erstaunt, alssie, von dem Klange von Pauken, Trommeln und Trompeten aufgeweckt, den Königvor sich stehen sah und seinen Antrag vernahm. Ihre Ueberraschung und Bestürzungwar so groß, die Wirklichkeit nach einem so süßen Traume war für sie so bitter, daßsie in Ohnmacht fiel und, als man sie durch Essenzen wieder in's Leben gerufen hatte,einen Anfall von Wahnsinn bekam. Sie schlug die Hände zusammen, stampfte mitden Füßen, zerriß unter wildem Schreie» ihre Kleider und versuchte, sich den Kppf an