Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
25
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Zweihundert und drciundfünfzigste Tlacht.

sich Niemand zuvorkommen lassen will." Die Prinzessin zweifelte nicht im Mindesten an derWahrheit dieser Botschaft und öffnete die Thiire; wie sie aber seine häßliche Gestalt,seine abscheuliche Gesichtsfarbe und Züge sah, crschrack sie etwas und sagte:Hat

meine Herrin keinen feinern Diener, als dich, um mich zu ihr zu bringen?" Der Perserergrimmte in seinem Herzen über diesen Hodn, und mit einem giftigen Blicke sagte erzu ihr:Meines Herrn Sklaven sind alle Einer schöner als der Andere, aber ausEifersucht wählte er mich aus den Sklaven, den du hier zu deinen Füßen siehst und derzwar häßlich, aber ein treuer Diener seines Herrn ist." Die Prinzessin fand dies Alleswahrscheinlich und schämte sich fast, so lange gezaudert zu haben, den Wunsch ihresgeliebten Bräutigams zu erfüllen. Sie schwang sich schnell auf's Pferd und trieb denPerser zur Eile au; dieser säumte auch nicht, hinter ihr aufzusitze», drehte dannunverzüglich den Wirbel um, so daß sich das Pferd mit reißender Schnelligkeit in dieLüfte schwang. Die Prinzessin hatte kaum soviel Athem, ihn zu fragen, was dieseFrechheit bedeute; der Weise aber umfaßte sie laut auflachend mit den Armen und flogimmer weiter in der Richtung nach China.

Zur gleichen Zeit, wo der Weise die Prinzessin entführte, brach der Zug zu ihremEmpfang von dem Palaste auf. Unter dem Schall von Trommeln, Pauken und Trompetenzog der Prinz mit dem König, seinem Vater, und allen Offizieren und Hofbcamtenan der Spitze herrlich gekleideter Truppen in den Garten ein. Kostbare Tücher wurdenauf dem ganzen Wege ausgebi eitet, daß der Prinzessin Fuß nur auf Gold und Seidetrete. Der Prinz selbst in seiner reichsten Kleidung trat zuerst in das Lusthaus, umseine geliebte Prinzessin dem König, seinem Vater, vorzustellen; aber starr und sprachlosvor Schrecken blieb er stehen, als er das Gemach leer fand und auch das hölzernePferd nicht mehr darin sah. Dann schrie er laut auf vor Schmerz, warf seinen Turbanauf die Erde und schlug sich in's Gesicht und auf die Brust. Der König und seineVeziere stürzten voll Schrecken in das Gemach und fanden da Niemanden als denPrinzen, der im Uebcrmaß seines Schmerzes gegen sich selbst wüthete und keine ihrerFragen beantwortete. Als er aber unter den Umstehenden auch den Gärtner bemerkte,sprang er auf ihn zu, packte ihn an der Brust und schüttelte ihn, daß er beinahe seinLeben aushauchte.Du Betrüger," schrie er ihn an,wo ist die Prinzessin, was hastdu mit ihr begonnen? sage mir die Wahrheit oder ich schlage dir den Kopf vom Rumpfe!"Der Gärtner, der an allen Glieder» zitterte, sagte:Mein Herr! Du sprichst da vonetwas, wovon ich gar nichts weiß. Bei meinem Leben und dem geehrten Barte deinesVaters! ich weiß nicht, was du meinst und habe nichts gesehen von dem, wcßhalb du

Tausend und eine Nacht. II,