Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

Zweihundert und dreiundfünfzijijic Uacht.

in das Schloß meines Vaters einziehen. Die Veziere und die ganze Armee sollen direntgegeneilen und Pracht und Glanz sollen jeden deiner Schritte begleiten." Hieraufumarmte und küßte er sie auf's zärtlichste und eilte dann zu seinem Vater, der schon wiederansing unruhig zu werden über sein langes Ausbleiben, und deshalb sehr erfreut war, wieer seinen Sohn wieder gesund und strahlend vor Vergnügen eintreten sah. Als ihm aberdieser sein ganzes Abenteuer mit der Prinzessin erzählt hatte und hinzusetzte, daß seineGeliebte im Lusthaus seiner harre, da kannte er sich gar nicht mehr vor Freude, er riefdie Königin und die Prinzessinnen herbei, theilte ihnen das glückliche Ereigniß mit undgab sogleich Befehl, alle Offiziere und Hofbcamtcn zusammenzurufen und große Festlichkeitenzu veranstalten. Die Nachricht von der wunderbaren Ankunft der königlichen Brautverbreitete sich schnell durch die ganze Stadt, und alle Leute strömten hinaus nach demGarten, um ihren Einzug in den Palast zu sehen.

Der persische Weise, den der König bei der ersten Rückkehr des Prinzen wieder inFreiheit gesetzt hatte, hielt sich gewöhnlich beim Gärtner auf und ging oft in demGarten ein und aus. Nun traf es sich aber, daß er gerade an dem Tage, wo der

Prinz mit der Prinzessin ankam, unter einem Baume des Gartens saß und voll Zorn,daß er die Prinzessin nicht zur Frau bekommen, allerlei Pläne zur Rache sich ausdachte;da sah er plötzlich den Prinzen auf seinem Pferde herabfliegen, der dann ein wunderschönesMädchen aus dem Sattel hob und mit ihr in das Lusthaus ging. Der persische Weisenäherte sich vorsichtig einem offenen Fenster, vor welchem ein dichtes Gebüsch stand,wodurch er so geschützt wurde, daß er Alles beobachten konnte, was in de», Gemachevorging, ohne selbst gesehen zu werden. Den Prinzen hatte er zwar sogleich erkannt,nun aber sah er die entschleierte Prinzessin, deren Schönheit ihn ganz außer sich brachte.Er hörte ihre ganze Unterhaltung mit an, trat, sobald der Prinz Scheinsul na har verlassen hatte, um in den Palast zu gehen, aus dem Gebüsche undzauderte nicht länger, seinen höllischen Plan auszuführen und seine Rache zu kühlen.Bei dem erhabenen Gott, sagte er zu sich selbst, dieser junge Mann hat mein Herzin Flamme» gesetzt wegen seiner Schwester, ich will ihm jetzt Gleiches mit Gleichemvergelten und dieses Mädchen, das die leuchtende Sonne überstrahlt, mit meinem Pferdezugleich entführen. Er klopfte dann an die Thüre des Gemaches, und als die Prinzessinfragte, wer da sey? antwortete er:Dein Sklave und dein Diener. Dein Herr schicktmich zu dir und läßt dich bitten, mir zu folgen; ich soll dich auf dem Pferde in einHaus näher an der Stadt bringen, weil meine Herrin, die Königin, nicht so weitgehen kann und sich doch so sehr darauf freut, dich zu sehen und zu begrüßen, daß sie