Zweihundert und zweiundfüufzigjle Nacht. ^
Elender! daß ich der größte König der Erde bin? Bei dem erhabenen Gott, ich willdich der Welt zum Beispiel und Schrecken den martervollstcn Tod sterben lassen, duDieb! du Landstreicher!" Der Prinz lächelte mitleidig über diese Drohungen und sagte:„Herr! du setzest mich in Erstaunen durch deinen schwachen Verstand und dein grobesBenehmen! Könntest du dich auch meiner bemächtigen und mich umbringcn lassen,was würde cs dir nützen? Würden da die Leute nicht sagen, der König hat einenjungen Mann bei seiner Tochter gefunden und ihn tödten lassen. So würde Spott und
Schande über dich kommen, und kein Mensch mehr Ehrfurcht vor dir haben. Uebrigens
sind wir auch Könige, und Söhne von Königen, und wenn wir wollten, wäre es unsein Leichtes, dich vom Throne in's Verderben zu stürzen! Doch Gott sey davor, daß jeetwas Böses von mir bekannt und meine Ehre befleckt werde. Sieh mich an, undentscheide, ob du deiner Tochter einen bessern Mann wünschen kannst? Und wenn siePrinzessin ist, so bin ich ein Sohn des Königs von Persien!" Der König, wankendgemacht durch die Festigkeit und das herrische Aussehen des Prinzen, fragte ihn: „Warumaber, wenn du ein Prinz bist, schleichst du dich in das Schlafgcmach meiner Tochter,und bist nicht, wie es Sitte ist, zu mir gekommen und hast um sie angchalten?" Der
Prinz hielt es bei dem augenscheinlichen Mißtrauen des Königs nicht für reichlich, ihm
sein Abenteuer und das Geheimniß mit dem Pferde anzuvertrauen; er sagte daher instolzem Tone zu ihm: „Was geschehen ist, ist geschehen, und ich bin dir keine Rechenschaftschuldig über mein Benehmen. Doch will ich dir einen Vorschlag machen, der dirzugleich Genugthuung und den Beweis geben wird, daß ich kein Landstreicher bin. Laßvon deinen Truppen versammeln so viel du willst, und ich will ganz allein gegensie kämpfen; werde ich besiegt, so magst du mich immerhin als einen Räuberbehandeln lassen." Der König war sehr zufrieden mit dem Vorschlag, der ihn aus derVerlegenheit riß, wie er den Prinzen tödten lassen solle, ohne sich und seine Tochterin Schande zu bringen. „Es sey so!" sprach er, versammelte, sobald der Taganbrach, seine Truppen auf einer Ebene vor dem Schlosse und befahl, den Prinzen,der eingeschlossen war, herbeizuführen und ihm ein Pferd und Waffen zu bringen. Der Prinzaber wies das Pferd zurück und sagte: „Nein, o König, ich will mein eigenes Pferdbesteigen; befehle nur, daß man es mir von der Terrasse, wo es angebunden ist, herabbole."Der König war zwar höchst erstaunt, als er in der That oben auf der höchsten Terrassedas Pferd stehen sah, aber so sehr überwog sein Durst »ach des Prinzen Blut seine sonstsehr große Neugierde, daß er, ohne weitere Fragen an den Prinzen zu richten, befahl,es sogleich herabzuholen. Das geschah, und als das Pferd von einem Jungen herbeigeführt
Tausend und eine NaLt. II.
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