Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
16
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10 . Zweihundert und zweiuildfünfzijiste Nacht.

Sklave das hörte, sprang er erschrocken auf und wollte nach seinem Schwerte greifen,da er es aber nimmer fand, ging er voll Angst und Betäubung zu seiner Herrin. Sowie er den Prinzen neben der Prinzessin sitzen sah, ries er ihm voll Zorn und Wuthentgegen:Wer hat dich hieher gebracht, du Betrüger! du Dieb! du Landstreicher! Dassollst du mit deinem Leben büßen, elender Räuber!" Bei diesen und andern Schimpfredenergrimmte der Prinz so sehr, daß er mit dem Schwerte in der Faust wie ein Löweaufsprang und ans den Sklaven losstürzte; dieser aber entfloh und eilte laut schreiendin die Gemächer des Königs. Die Wachen und die dienstthuenden Offiziere gebotenihm Stillschweigen und sagten ihm, der König schlafe und man dürfe ihn ohne Gefahrfür sein Leben nie in seinem Schlummer stören. Der Sklave aber, ganz außer sichvor Wuth, schrie immer lauter:Führt mich zum König, seine Ehre und sein Lebensind in Gefahr; es sind Räuber im Schloß." So entstand nach und nach ein solchesGetöse und Hin- und Herlaufen, daß der König davon erwachte und sogleich denHauptmann der Verschnittenen rufen ließ, um sich nach der Ursache dieses Lärmens zuerkundigen. Sobald ihm dieser gesagt hatte, daß der Sklave der Prinzessin herbeigelaufensey und immer rufe, es sepen Räuber im Schloß, und er wolle zum König, machteer sich auf, ergriff sein Schwert und trat zu dem Sklaven binaus, den er voll Zorn

anredete:Wehe dir! dn Hund, was ist das^für eine schlimme Nachricht, womit du

das ganze Schloß in Aufruhr bringst und Albzt meine Ruhe störst?"Herr und

König," erwiderte der Sklave,ich schlief vor der Thüre der Prinzessin, und. als icherwachte, sah ich auf einmal einen Mann von vornehmem Aussehen und schöner Gestaltneben meiner Gebieterin sitzen; weder ich noch eine der Sklavinnen konnten begreifen,wie er hercingekommen, ob er von oben oder von unten gekommen ist." Ohne ein Wortzu sagen, eilte der König selbst in die Gemächer der Prinzessin, um diesen ungewöhnlichenVorfall zu untersuchen. Als er in ibr Zimmer trat und den Prinzen neben seiner

Tochter sitzen sah, gerieth er in eine unglaubliche Wuth; er zog sein Schwert, drang

ans ihn ein und wollte ihm den Kopf spalten. Der Prinz aber erhob sich von demThrone, streckte ihm sein Schwert entgegen und sagte:Beim erhabenen Gott! wäremir dies Haus nicht durch meinen Eintritt heilig, so würde ich dich denen, die in deinerVäter Gruft liegen, nachsenden!"

Der König, voll Ucbcrraschung über den Widerstand, den er fand, und die keckenWorte, die der Prinz ihm zu sagen wagte, ließ sein Schwert sinken und sagte:Werbist du, Betrüger? und wer ist dein Vater, daß du es wagen darfst, in solchem Tonemit mir zu reden und meine Tochter in ihrem Schlosse zu überfallen? Weißt du nicht,