Zweihundert und fünfzigste Nacht. H
Hat er aber alle verschlungen, so darf man nur an diesem diamantnen Knopfe drücken,dann kommen sie alle wieder hervor. Nach 24 Stunden aber wird er jedesmal denSchnabel öffnen, und darinnen wird der Mond erscheinen, wie er gerade am Himmelsteht." Als der König das hörte, sagte er: „Gott ist ewig, aber der Mensch ist sterblichund kurz die Zeit seines Lebens. Dein Werk, o Weiser, ist eine Gabe, die ich nichtnach ihrem Werthe zu belohnen vermag; wähle aber, wonach dein Herz gelüstet, und jederdeiner Wünsche soll erfüllt werden." Während aber der Grieche sich noch besann, waser sich erbitten solle, trat der persische Weise hervor, beugte sich zur Erde und überreichtedem König ein Pferd, das er an goldnen Zügeln führte. Jedermann war entzückt überdas Ebenmaß und die Schönheit dieses Pferdes, das, mit Gold und Edelsteinen beschlagen,vollkommen ausgerüstet war mit prächtigem königlichen Sattel, Zaum und Steigbügeln.Als aber die Hofleute es befühlten und entdeckten, daß es kein natürliches, sondern einaus Ebenholz verfertigtes Pferd war, da wollten ihre Ausrufe der Bewunderung undFreude gar kein Ende mehr nehmen. Der König aber sah sie zornig an und sagte:„Ihr Thoren, ein Stück Holz gilt euch mehr als das Leben, und das Werk einesMenschen verwirrt euern blöden Verstand mehr als die Werke des Allmächtigen. Ichsage euch, der schlechteste Karrengaul des ärmsten Bauern ist mehr werth, als dasprachtvolle, aber unnütze Ding da, das nur ein kunstreich gearbeitetes Stück Holz ist."Der Weise aber nahm das Wort und sprach: „Ob ich es gleich nicht wage, o Herrder Erde, mein Geschenk denen der beiden andern Weisen, die mir zuvorgekommen,gleichzustellen, so hat dennoch dieses Pferd Eigenschaften, die es weit über alle natürlichePferde setzt. Der goldne Mann des Indiers beschützt dein Leben; der Pfau des Griechenwarnt dich, cs ungenützt verfliegen zu lassen, mein Pferd aber setzt dich in Stand,dein Leben wirklich zu benützen, und in einem Tage das zu thun, wozu Andere einJahr brauchen. Dieses hölzerne Pferd hier trägt dich in einem Tage weiter als einwirkliches in einem Jahre; denn es fliegt in der Luft wie ein Adler. Kein Meer ist zugroß und zu stürmisch, kein Gebirge zu hoch und zu unwegsam, du kannst es überfliegenauf diesem Rosse. Wozu jedoch Worte, wo ich Beweise geben kann. Befehle nur,o Herr, und ich erhebe mich vor deinen Augen in die Luft und jage durch die Wolkendahin, wie keiner deiner besten Renner auf der ebensten Bahn." Der König war imhöchsten Gra.de erstaunt über das Zusammentreffen dieser drei Wunder an einem Tageund sagte zu dem Perser: „Bei dem erhabenen Gott, dem milden Schöpfer und Erhalter
der Menschen, wenn du die Wahrheit gesprochen hast und deine Rede sich bewährt, sogewähre ich dir im Voraus jede Bitte, die du au mich stellen magst." Dann setzte er,