Zweihundert und fünfzigste Illncht. Z
Nun traf es sich an einem dieser Festtage, daß drei äußerst gelehrte und erstaunlichweise Männer in seine Stadt kamen. Sie waren alle Drei aus verschiedenen Ländernund sprachen auch verschiedene Sprachen. Der Eine war ein Indier, der Andere einGrieche und der Dritte ein Perser.
Der Indier war ein Mann in den besten Jahren, jedoch von schmächtigen, Körperbau,und in seiner ganzen Gestalt prägte sich die Ruhe und der Glcichmuth aus, die dasMerkmal dieser Stämme sind. Seine Kleidung bestand aus einem Gewand, das wenigvon dem unsrigen abwich, nur war es eher etwas einfacher; dagegen trug er auf derBrust ein Amulet, das von der größten Kunst zeugte, und dem der wunderhaftesteEinfluß zugeschriebcn ward.
Der Grieche war etwas älter und schien verschlagener zu sepn, als die beidenAndern; denn während Jeder von ihnen einen gewissen Ernst und Selbstgefühl zeigte,sprach aus jedem Zuge seines Antlitzes List, Neid und Bosheit.
Was jedoch den Perser betraf, so war er zwar ein Mann von ausgezeichneterHäßlichkeit, aber doch der Klügste von ihnen. Auch ward seine Häßlichkeit noch durchden Anzug vermehrt; denn er trug eine hohe schwarze Mütze, die mit Bänder» an seinenKopf festgebundcn war. Außerdem hatte er »och einen langen dunkeln Kaftan an undtrug einen Zauberstab in der Hand, so daß seine Erscheinung der merkwürdigstenArt war.
Der Indier ging zuerst zum König, warf sich vor dem Fuße des Thrones niederund übergab ihm, indem er zum Feste Glück wünschte, ein höchst bewunderungswürdigesGeschenk. Es war eine mit kostbaren Edelsteinen verzierte goldene Bildsäule, die eingoldenes Horn in der Hand hielt. Alle Anwesende brachen in laute Bewunderungsrnfeaus über die Pracht und die Schönheit dieses Geschenkes, und nachdem der Königdasselbe von allen Seiten genau betrachtet halte, sagte er zu dem Indier: „Höchstweiser Mann, so wunderbar schön auch dieses Bildniß ist, so kann ich dochnicht einsehen, zu welchem Zwecke es dienen soll, und Schönheit ohne Nutzen isteine todte Geburt." — „Großer Herr und König!" antwortete der Weise: „In diesemBildnisse ist eine Kraft, die dir Tausende von Soldaten und Polizcibeamten erspartund dein Leben viel besser beschützen wird, als sie. Denn dieser goldene Mann zeigtdir die entfernteste Gefahr an, ehe ein Mensch sie nur ahnen kann; ja, er thnt nochviel mehr als dies, er vernichtet die Gefahr, che die Bösen an die Ausführungihres Planes kommen." Die Hofleute sahen bei diesen Worten des Indiers zuerstsich unter einander, dann den König, dann den Weisen an, dann lachten sie und