2 Zweihundert und fünfzigste Tlocht.
furchtbaren Macht und Größe, denn er war nicht allein ein Man» von ausgebrcitetenKenntnissen, gewandt und voll Unternehmungsgeist, sondern sein Herz war auch eben soweich lind theilnahmsvoll, als sein Verstand scharf und durchdringend; seine Hand wareben so mildthälig und freigebig gegen die Armen, als für den Bösen furchtbar undstrafend. Er war ein Trost für den Unglücklichen und Beladenen, und der Verstoßeneund Verfolgte fand stets eine Freistätte bei ihm. Seine Verwandten liebte er zärtlich,gegen die Fremden war er milde, und nie wurde ein Fall bekannt, daß ein Unterdrückterihn vergebens um Recht gegen die Gewalt angefleht hätte. Er war Vater von dreiMädchen und einem Sohne, deren Besitz ihn noch glücklicher machte, als die Bewunderungder Welt und die fast an Anbetung grenzende Liebe seines Volkes.
Dieser König feierte jährlich zwei Feste, Niradj und Murhadjam, die über seinunermeßliches Reich bis in die kleinste Hütte des kleinsten Dörfchens hinein Freude undJubel verbreiteten. Was nur gehen konnte kam herbei, und mehr als einen Monatvor den Festen waren schon alle Landstraßen voll Reisender, die zu Wagen, zuPferde und zu Fuße nach der Hauptstadt eilten, wo der König sein ganzes Volk in denStraßen und Plätzen der Stadt und auf einer unübersehbaren Ebene außerhalb derselbenbewirthete.
Tausende von Gold- und Silbermünzen, kostbare Stoffe und Maaren aller Artwurden unter das Volk vertheilt, und alle Gefangene begnadigt und sreigelassen.Alle Wachen wurden eingezogen, ja nicht einmal im Palaste blieb ein Aufseher oderWachoffizier stehen, so daß Jedermann durch die herrlichen Säle und Gänge, durch dieGärten und selbst die Schatzkammer, wo die Neichthümer ganzer Welten aufgchäuftlagen, ohne Hiuderniß gehen konnte. Nur der Harem allein blieb nach Gottes Gebotverschlossen; aber die Verschnittenen davor hatten ihre Schwerter in der Scheide undtrugen silberne Stäbe mit goldenen Knöpfen in den Händen. Der König selbst saß indem kostbarsten Saale auf seinem goldenen Throne, und das Volk ging in langenReihen vom Morgen bis zum Abend zu ihm hinein, um ihn zu begrüßen und ihmGlück zu wünschen zu dem Feste und der Gnade Gottes. Wer cs vermochte, brachteihm ein Geschenk, sep es ein kostbares Erzcugniß des Bodens oder der Kunst, oder auchnur eine besonders schöne Blume und dergleichen. Der König nahm Alles, auch dasUnbedeutendste, mit Güte und freundlicher Herablassung an, vorzüglich aber war ererfreut, wenn man ihm schöne Erfindungen und andere von Nachdenken und Geistzeugende Dinge überreichte; denn er war ein sehr großer Freund der Philosophie,Mathematik, Astrologie und anderer schönen Wissenschaften.