920 Zweihundert und neunuudvierzigste Nacht.
aß und betete sie selbst mit ihm, und that Alles, was in ihren Kräften stand, um ihnzu trösten.
Eines Tages stand B ohlane an der Hausthüre, als sie einen öffentlichen Ausruferetwas verkündigen hörte. Da sie aber nicht verstehen konnte, was es war, weil derAusrufer zu weit weg war, sich dann aber ihrem Hause näherte, hielt sie zuriicktretenddie Thüre halb offen, und siehe da! sie erblickte hinter dem Ausrufer den GroßvezierAmdfad, den Bruder des Prinzen Asad, von vielen Mamelucken umgeben. DerAusrufer blieb nur wenige Schritte von der Thüre stehen und wiederholte mit lauterStimme folgende Bekanntmachung: „Ihr Bewohner dieser Häuser! Der mächtige und
berühmte Großvezier, der in eigener Person hier gegenwärtig ist, sucht seinxn geliebten.Bruder, von dem er schon über ein Jahr getrennt ist. Er heißt Asad und sieht sound so aus! Wenn Jemand ihn bei sich hat, oder weiß, wo er ist, so befiehlt derGroßvezier, ihm denselben zu bringen oder seinen Aufenthaltsort anzuzeigen. WerDies oder das Andere thut, erhält ein Ehrenkleid und viele Reichthümer; wer ihnaber gefangen hält oder seinen Aufenthaltsort verheimlicht, dem wird sein Hausgeplündert, sein Harem geraubt und sein Blut preisgegeben werden. Das ist derBefehl: wohl dem, der sich warnen läßt!" Als Bohlane diese Worte hörte,machte sie schnell die Thüre zu und eilte zu Asad in das unterirdische Gefängniß.„Prinz," sagte sie zu ihm voll Freude, „das Ende deiner Leiden ist da; steh' schnell aufund folge mir nach!" Asad, dem sie schon am ersten Tag, an dem er in den Kerkerzurückgebracht worden war, die Kette abgenommen hatte, folgte ihr schnell auf die Straßehinaus, wo sie schrie: „Hier ist Asad! Hier ist Asad!" Der Großvezier, der nichtweit weg war, kehrte sich auf diesen Ruf um. Asad erkannte seinen Bruder, lief ansihn zu und umarmte ihn. Amdfad, der ihn auch auf der Stelle wieder erkannte,drückte ihn fest an sich, ließ ihn dann das Pferd eines seiner Mamelucken besteigen,und führte ihn, umgeben von einer Menge Mamelucken und Dienern, in den Palast,wo er ihn dem König vorstellte, der ihn sogleich zum Vezier ernannte.
Bohlane, die nimmer zu ihrem Vater, dessen Haus am nämlichen Tage nochgeplündert wurde, zurückkehren wollte, und die den Prinzen Asad bis zum Palastnicht aus den Augen verloren hatte, wurde in die Gemächer der Königin geführt undihr dort viel Ehre bezeigt. Ihren Vater Bahram brachten die Knechte sammt seinerFamilie vor den König, der ihn zum Tode verurtheilte. Er und die Seinigen warfensich ihm zu Füßen und baten um Gnade. „Es gibt keine Gnade für euch," erwiderte derKönig, „wenn ihr euch nicht von dem Feuerdienst zn der muselmännischen Religion bekebrt."