Zweihundert und siebenundvierzigste Nacht 911
zu welchen dich die hartherzigen Feueranbeter gcnöthigt haben; du hast Stärkung nöthignach so vielen Entbehrungen und Leiden," und mit diesen und andern ähnlichen Redenlegte sie ihm zu essen vor und schenkte ihm Glas um Glas ein. So aß und trank sicmit Asad, und Gott entzündete eine heftige Liebe zu ihm in ihrem Herzen. Sie sprachihm so viel zu, bis er beinahe mehr getrunken hatte, als er ertragen konnte. Nachdemdie Tafel aufgehoben war, wollte Asad sich ein wenig in der frischen Luft erquickenund nahm die Gelegenheit so gut wahr, daß ihn Murdjane nicht hinausgehen sah.Er ging zum Saale hinaus und stieg in den Hof hinab, und als er dort eine offeneThüre fand, ging er hinein und kam in einen großen Garten, in dem Bäume mit denverschiedenartigsten Früchten standen. Er setzte sich unter einen Baum, ruhte eine Weile aus,stand wieder auf und wandelte im Garten umher, mit Bewunderung seiner mannigfachenSchönheiten erfüllt. So kam er an den Springbrunnen, der mitten im Garten war,und wusch darin seine Hände und sein Gesicht. Eben wollte er wieder Weggehen, da
erhob sich eine so angenehme frische Luft, daß er sich wieder auf den Nasen niederlegte
und nach einer Weile entschlief.
So brach die Nacht an und Bahrain, der nicht Lust hatte, der Königin Murdjanezur Ausführung ihrer Drohung Gelegenheit zu geben, hatte schon die Anker gelichtet, sehrerzürnt darüber, daß ihm Asad entrissen und er der Hoffnung beraubt war, ihn opfernzu können. Doch war cs ihm noch einiger Trost, daß der Sturm sich gelegt hatte undein Wind vom Lande her seine Abfahrt begünstigte. Sobald er mit Hülfe seines Bootesaußerhalb des HafenS war, sprach er, ehe er an Bord ging, zu den Matrosen:„Hört, Kinder, steigt noch nicht an Bord, ich will euch Schläuche geben, um sie mitWasser zu füllen, und werde euch hier an der Küste erwarten." Die Matrosen zeigten
wenig Lust dazu und sagten: „sie wüßten nicht, wo sie Wasser finden könnten." Bahrain
aber, der im Garten mit der Königin gesprochen und den Springbrunnen bemerkt hatte,sagte ihnen: „Landet nur am Garten des Palastes und steiget über die Mauer, die nichtsehr hoch ist, dort werdet ihr in dem Springbrunnen, der mitten im Garten ist, genugWasser finden." Die Matrosen ruderten an den Ort, den ihnen Bahrain gezeigthatte, und nachdem jeder einen Schlauch auf den Rücken genommen, stiegen sie au'sLand und über die Gartenmauer. Dann gingen sie einem Wassergraben nach, bis
sie an den Springbrunnen kamen, wo sie Asad im tiefsten Schlafe, gleich einemTodten, liegen fanden. Sie erkannten ihn sogleich und entschlossen sich, ihn ihremHerrn wieder zu bringen; darauf theilten sie sich, und während nur Einer von ihnen dieSchläuche so schnell und so geräuschlos als möglich füllte, umringten die Andern Asad