904 Fnicihliiidcrt und sechsunduicrzigste Aacht.
ist dies ein Zeichen, daß mich die Wache ertappt bat und mein Urtheil gefällt ist. Fürdiesen Fall will ich dir eine schriftliche Schenkung meines Hauses mit allem Geräthedarin zurücklafsen, und Friede sey mit dir — du kannst dann ohne Weiteres davonBesitz nehmen." Nachdem Bah dar die Schenkung geschrieben und dem Prinzen Amdjadübergeben hatte, umgürtcte er sich, packte den Kopf und den Rumpf des Mädchens ineinen Sack, lud ihn auf seine Schultern, verließ das Haus und ging von Straße zuStraße dem Meere zu.
Er war schon nahe an dem Ufer des Meeres, da kam ihm der Polizeioberst, dermit einigen Polizeibeamten die Runde machte, entgegen. Die Diener des Richtersumringten ihn, nahmen ihm den Sack ab, öffneten denselben und fanden das erschlageneMädchen darin. Der Richter, welcher den Oberstallmeister trotz seiner Verkleidungerkannte, ließ ihn festnehmen und in sein Haus führen. Weil er aber nicht wagte,einen so höhen Beamten ohne Wissen des Königs hinrichten zu lassen, so behielt er ihnbei sich bis zum andern Morgen und führte ihn dann zu dem König. Der König wardsehr zornig, als ihm der Richter das schwarze Verbrechen des Oberstallnicisters berichtete,denn nach allen Anzeigen mußte man denselben für den Thäter halte». Er überhäufteihn mit Vorwürfen und Schmähungen und sprach: „Wehe dir! Bringst du immer
die Leute um und wirfst sie in's Meer, um zu nehmen, was sie besitzen? Wie vielhast du schon erschlagen?" Der Obcrstallmeistcr neigte den Kopf zur Erde und sprachkein Wort zu seiner Vertheidigung. Der König befahl nun, daß man ihn hinrichte und ^die Stadt von ihm befreie. Man brachte ihn weg, und während der Galgen aufgerichtetwurde, ließ man durch den Ausrufer in der ganzen Stadt verkünden, daß am Mittagder Oberstallmeister wegen eines Mordes werde gehängt werden.
Als Amdjar aber bei Tagesanbruch dies ausrufen hörte, weinte er und sprach bei sich:Das ist Unrecht und Gewalt, ich bin ja der Mörder; bei Gott, dies darf nicht geschehen!Er ging dann aus dem Saale, schloß ihn zu und lief nach dem Hinrichtungsplatze, derschon ganz mit Zuschauern angefüllt war. Hier sah er den Polizeiobersten, der Bahdarschon zum Galgen führte; er drängte sich durch die Leute, trak zu ihm und sagte: „Herr!thu' Bahdar nichts, er ist, bei Gott! unschuldig; ich war's, der das Mädchenerschlagen hat! Höre, wie sich Alles zugetragen hat." Und nun erzählte er dem Richter,auf welche Weise ihn das Mädchen beim Ausgang aus dem Bade gelockt, wie sie ihnbewogen hatte, das Haus des Oberstallnicisters zu betreten, und Alles, was sich dortbegeben, bis zu dem Augenblick, wo er genöthigt war, ihr den Kopf abzuhauen, umdas Leben des Oberstallmeisters zu retten. Nachdem er geendigt hatte, befahl der Richter,