800 Zweihundert und siel>e»u»ddrcißigste Nacht.
Bedur setzte sich neben sie und bemühte sich, eine Unterhaltung in Gang zubringen, in welcher sie Alles ausbot, sie von ihrer Liebe zu überzeugen. Sie küßte sieans die Wangen und ließ ihr Zeit, sich nicderzulcgcn. Während dessen begann sie ihrGebet zu verrichten, machte es aber wieder so lange, daß Haiat al Nufus darübercinschlief. Jetzt hörte sie auf zu beten und legte sich neben sic, ohne sie aufzuwecken,eben so betrübt über den Zwang, welchen sie sich anthun mußte, eine Rolle zu spielen,die ihr nicht ziemte, als über den Verlust ihres thcuren Gatten, nach welchem sieunaufhörlich seufzte. Am folgenden Morgen stand sie mit Tagesanbruch auf, bevor Haiatal Nufus erwachte, legte den königlichen Schmuck an und begab sich wieder in dieVersammlung des? Staatsrathes.
Der König Armauns ermangelte auch diesen Morgen nicht, seine Tochter zubesuchen, und fand sie in Thräncn. Er drang in sie, bis sie ihm Alles erzählte.Entrüstet über diese offenbare Verschmähnng, deren Ursache er nicht begreifen konnte,sagte er zu ihr: „Meine Tochter, habe noch Geduld bis zur nächsten Nacht! Ich habedeinen Gemahl auf den Thron erhoben; ich will ihn auch wieder absetzen und mitSchimpf und Schande davon jagen, wenn er es nochmals wagt, dich so unwürdig zubehandeln und seine eheliche Pflicht aus den Augen zu setzen."
Es war schon spät in der Nacht, als Bedur wieder zu Haiat al Nufus kam.Sie unterhielt sich mit ihr und wollte abermals ihr Gebet verrichten; aber Haiat alNufus hielt sie zurück und nöthigte sie, sich wieder zu setzen. „Wie," sprach sie,„gedenkst du mich diese Nacht abermals so zu behandeln, wie die beiden letzten? Sagemir, wodurch ich deine Geringschätzung verdient habe! Was hast du an meiner Personauszusetzen? oder bist du so selbstgefällig, daß du Alles neben deiner Schönheit verachtest?Bei Gott, ich sage das nicht aus Rachsucht, obwohl ich alle Ursache dazu hätte. Nein,aus Liebe und Mitleid eröffne ich dir die Gefahr, in welcher du schwebst. Wisse, derKönig, mein Vater, welcher dir so viel Gutes gethan hat, ist im höchsten Gradeüber dein beleidigendes Benehmen aufgebracht und wartet nur noch den morgenden Tagab, um dich seinen gerechten Zorn empfinden zu lassen, wenn du so fortsährst. Er hatsich vorgenommen, wenn er von mir nicht erfährt, was er wünscht, dich morgen derRegierung zu entsetzen, mit Schimpf und Schande davon zu jagen oder sogar um'sLeben zu bringen. Ich habe dir Alles gesagt: thue nun, was du willst."
Diese Rede setzte die Prinzessin Bedur in unbeschreibliche Verlegenheit. Sie senkteihr Haupt und überlegte: Widersctze ich mich, so bin ich verloren; entdecke ich mich,wer steht mir dafür, wie es die Prinzessin aufnimmt? Nun bin ich aber doch Königin