858 Zweihundert »nd siedcnunddreißigfte Nacht.
eines so ehrenvollen Antrages nicht; allein, obwohl ich mich desselben nicht würdig
fühle, so wage ich es doch nicht, ihn auszuschlagen, und werde dir gerne gehorchen."
Nachdem die Vermählung auf solche Weise beschlossen und beDnmt war, wurdedie Feier derselben aus den folgenden Tag festgesetzt. Der König liest das freudigeEreigniß in seinem ganzen Reiche bekannt machen und sowohl in seiner Hauptstadt alsauf den umliegenden Inseln seiner Herrschaft Feste veranstalten. Am Morgen des
Vermählungstages versammelte er seinen Rath, entsagte in Gegenwart desselben derRegierung zu Gunsten seines Eidams, und forderte die Großen seines Reiches, dieobersten Staatsbeamten und die Truppenbefehlshaber auf, ihn als ihren König
anzuerkennen und ihm zu huldigen. Zum Schluffe stieg er vom Thron und 'ließ diePrinzessin Bedur hinaufsteigen; und nachdem sie seine Stelle eingenommen hatte,empfing sie den Eid der Treue von den mächtigsten Herren der Ebenholzinseln, welchezugegen waren, und von denen keiner auch nur entfernt daran dachte, daß der neueKönig etwas Anderes seyn könnte, als wofür er sich ausgab und ihnen vorgestellt wurde.
Hierauf ordnete der König die Hochzeitseierlichkeiten im Palast an und ertheiltedie Befehle zur Uebergabe der Mitgift seiner Tochter. Am Abend war der ganze Palastin festlicher Freude, und die Prinzessin Haiat al Nufus wurde in wahrhaft königlichemAufzuge ihrem vermeintlichen Bräutigam zugeführt. Nachdem die gebräuchlichen Ceremonienvorüber waren, ließ man die Beiden in dem Brautgemache allein.
In diesem Augenblicke fiel der Prinzessin Bedur die lange Trennung von ihremgeliebten Kamr essaman schwer auf's Herz. Sie seufzte und setzte sich schweigendneben Haiat al Nufus; dann stand sie auf, wusch ihre Hände und betete so lange,bis Haiat al Nufus die Augen schloß. Nachdem sich Bedur überzeugt hatte, daß siefest eingeschlafen war, legte sie sich neben ihr nieder, kehrte ihr den Rücken zu und erwarteteschlaflos und in steten Erinnerungen an Kamr essaman den Anbruch des Morgens.
Während die Prinzessin Bedur in einer öffentlichen Versammlung die Glückwünschedes ganzen Hofes zu ihrer Vermählung und zum Antritte der Regierung empfing, begabsich der König Armanus und seine Gemahlin in das Gemach der neuen Königin,ihrer Tochter, und erkundigten sich, wie es ihr in der verflossenen Nacht gegangen sey.Anstatt zu antworten, schlug sie die Augen nieder, und die auf ihrem Gesichte erscheinendeTraurigkeit gab genugsam zu erkennen, daß sie nicht zufrieden war.
Um die Prinzessin Haiat al Nufus zu trösten, sprach der König Armanus zuihr: „Meine Tochter, das muß dir keinen Kummer machen. Der Prinz Kamr essamandachte bei seiner Ankunft hier nur daran, sich bald möglichst zum Könige Schah Seman,