Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
845
Einzelbild herunterladen
 

Fmeihundrrt und vierunddreifiigste Nacht. 8 i-5

konnte, rief ihm zu:Wo läufst du denn so schnell hin? du mußt wohl große Lustzu sterben haben, da du so eilig in den Tod rennst. Nicht Einer von so vielenSterndeutern, die ich hier gesehen und dahin geführt habe, wo du nur zu frühhinkommcn wirst, hat eine solche Eile bezeigt."

Kamr essaman sah den Diener an, und ganz verloren in die Gedanken an dieNähe der Geliebten, sprach er folgende Verse: ^

!

!

Ich keime alle Vorzüge deiner Schönheit: sie haben mich ganz verwirrt,ich bin wie besinnungslos und weiß nicht, was ich sagen soll.

Nenne ich dich Vollmond,' so spreche ich unrichtig: denn der Vollmond istdem Abnchnicn unterworfen; deine Schönheit aber bleibt stets unvermindert.

Sage ich Sonne z» dir, so weiß ich, daß deine Schönheit sich nie vormeinen Augen verdunkelt, während die Sonne sich oft meinen Blicken entzieht.

.Vollkommen, ohne Mangel sind deine Reize: sie zu beschreibe» ist derBeredsamste unfähig und der Verständigste zu schwach."

!

i

Mittlerweile hatten sie die Thür erreicht. 'Der Diener öffnete sie unv führte den ^Prinzen in einen Saal, welcher nur durch einen Vorhang von dem Zimmer der !Prinzessin geschieden war. Hier stand Kamr essaman still und sagte zu dem Diener:Um dich zu überzeugen, daß ich weiß, was ich wage, und keinen Grund habe, zu zögern !und ängstlich zu ihun, wie die Andern, die vor mir hiehcr gekommen sind, so lasse ich idir die Wahl: was willst du lieber, soll ich mit dir zu deiner Gebieterin hineingehen,oder soll ich sie von hier aus heilen?"

Der Diener war höchst erstaunt über die Zuversicht, mit welcher der Prinz zu ihmsprach.Bist du des Erfolgs so gewiß," erwiderte er,so kann cs deinen Ruhm nurvermehren, wenn du die Heilung von hier aus vollbringst."

Schnell entschlossen setzte sich Kamr essaman auf einen Divan neben demVorhang, zog aus dem mitgebrachten Beutel Dinte und Kalam, und schrieb folgenden ^Brief an die Prinzessin von China: ^

Gegenwärtiges ist der Brief eines Menschen, den Unglück verfolgt, den Liebespeinverzehrt, den Schmerz und Kummer vor Sehnsucht vernichtet: für ihn ist jede ^Lebenshoffnung dahin, er sieht dem gewissen Tod entgegen. Nichts kann sein trauerndes

' ' UcbcrseHnng des arabischen Namens Bcdur.

! _ __