Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
840
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8-tO Zweihundert und dreiunddreißigfte Nacht.

Tochter geheilt wieder zu geben, welche meine Milchschwester ist und allen Anspruch aufmeine Hülse und Sorgfalt hat. Ihr Schicksal ist mit dem deinigen so innig verflochten,daß ich nichts zu ihrer Wohlfahrt beitragen kann, ohne zugleich deinen Wunsch zuerfüllen; höre also, was ich ersonnen habe, um die Erlaubniß deines Vaters zu erhalte»,so wie sie zu Erreichung unserer Absicht erforderlich ist. Du bist, solange ich hier bin,noch nicht ausgegangen: bitte den König, deinen Vater, er möchte dir vergönnen, zudeiner Erholung ein paar Tage auf die Jagd zu gehen. Willigt er ein, so besteigst duein gutes Pferd, ich thue desgleichen, und für das Weitere lassen wir Gott im Himmelsorgen."

Am folgenden Morgen ging der Prinz Kamr essaman bei guter Zeit zu seinemVater und bezeigte ihm seinen Wunsch, der frischen Luft zu genießen und mit Marsawanauf die Jagd zu reiten.Ich erlaube es gern," antwortete der König,jedoch nurunter der Bedingung, daß du nicht mehr als eine Nacht ausbleibest. Zu viel Anstrengunggleich anfangs möchte dir schaden, und eine längere Abwesenheit würde mir Sorgemachen: denn ich befinde mich in dem Zustande, welchen der Dichter beschreibt:

«Lebte ich im schönsten Wohlbehagen und besäße das Reich der Chosroen,ja die ganze Welt:

Doch würde das Alles in meinen Augen nicht den Werth der Flügel einerMücke haben, wenn mein Auge dich nicht sähe."

Der König ließ Alles zu dem Ausfluge vorbereiten, vier Pferde satteln und einenDromedar mit Wasser und Lebensmitteln bepacken. Hierauf nahm er von seinem SohnAbschied, schloß ihn in seine Arme, küßte ihn und konnte sich vor Angst und Sorgebeinahe nicht von ihm trennen. Er wollte ihm einen Diener mitgeben, aber Kamressaman schlug es aus und ritt mit Marsawan hinweg.

Als die beiden Freunde die Stadt hinter sich hatten, beschleunigten sie ihre Reiseund ritten scharf zu den ganzen Tag. Abends stiegen sie ab, stärkten sich mit Speiseund Trank und ritten dann wieder die ganze Nacht durch bis zum Morgen.

Beim Anbruche des Tages befanden sie sich in einer einsamen Gegend auf einemKreuzwege. Marsawan bat den Prinzen, einen Augenblick auf ihn zu warten undritt in den Wald hinein. Dort tödtete er eines von den Pferden, zog ihm die Hautab und begrub dieselbe sammt den Knochen unter einem Baum; das Fleisch aber nahmer und schnitt es in Stücke. Hierauf kam er zu Kamr essaman zurück, bat ihn umseinen Mantel, sein Oberkleid und sein Hemd, zerriß sie, färbte sie mit Blut und