Zweihundert und dreiunddrrihigste Nacht. 839
Marsawans Worte brachten auf den Zustand Kamr essamans eine somächtige Wirkung hervor, daß dieser seinen Vater herbeiwinkte, um ihn im Betteaufrecht zu setzen. Der König und der Vezier richteten ihn empor und unterstützten ihnmit zwei Polstern. Voll Freude befahl der König, Erfrischungen zu bringen, und Kamressaman ließ sich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder bewegen, Speise und Trankzu sich zu nehmen. Hierauf entfernten sich der König und der Vezier, und Marsawanblieb die ganze Nacht bei dem Prinzen allein. Er sagte ihm, daß die Geliebte seinesHerzens Bedur heiße und die Tochter des Königs von China sey. Er erzählte ihmAlles, was er von der Geschichte der Prinzessin wußte, seit jener Nacht, in welcher siesich auf eine so wunderbare Weise gesehen hatten. Er vergaß nicht, wie der Königvon China diejenigen behandelte, welche tollkühn die Heilung der Prinzessin von ihremvermeintlichen Wahnsinn unternahmen, aber nicht zu bewirken vermochten. „Du, meinHerr, bist der Einzige," setzte er hinzu, „der sie vollkommen heilen und sich ohne Furchtdazu erbieten kann. Bevor du aber eine so weite Reise unternimmst, mußt du wiedergesund seyn: denke also vor allem Andern auf die Herstellung deiner Kräfte."
Am nächsten Morgen war Kamr essaman bereits so weit hergestellt, daß eraufstehen und sich ankleiden konnte, worüber der König, sein Vater, als er ihn zubesuchen kam, eine außerordentliche Freude bezeigte. Er ließ sogleich Anstalten zu allenmöglichen Festlichkeiten machen, die Stadt sieben Tage lang hintereinander beleuchten,Geschenke unter das Volk und die Truppen austheilen und alle Gefängnisse öffnen.Bald war die Hauptstadt und das ganze Reich voll Fröhlichkeit und Jubel über dieWiederherstellung des Prinzen Kamr essaman.
Als dieser sich kräftig genug fühlte, die Beschwerlichkeiten der Reise zu ertragen,nahm er Marsawan bei Seite und sagte zu ihm: „Mein Freund, wie steht es mitunserer Reise? Es ist wohl Zeit, daß wir sie unternehmen, wenn ich nicht vor Ungeduldund Sehnsucht in denselben Zustand zurückfallen soll, in welchem du mich gefunden hast.Eins nur macht mir Sorge und Kummer. Mein Vater liebt mich so sehr, daß er sichniemals wird entschließen können, mir die Erlaubniß zur Entfernung von ihm zu geben.Du siehst selbst, daß er mich nicht eine Stunde aus den Augen läßt, und das machtmich untröstlich. Auf dich allein setze ich mein Vertrauen; sage mir, wie ich es angreifensoll: ich werde deinem Rathe pünktlich gehorchen und mich in Allem deinen Befehlenfügen." Bei diesen Worten konnte der Prinz seine Thränen nicht zurückhalten.
„Mein Herr," antwortete Marsawan, „der Zweck meiner Reise hieher war keinanderer, als meinem Herrn und König, dem mächtigen Beherrscher von China, seine