Zweihundert und zweiunddreißigste Ulacht. 837
„Ich gestand, daß, wer zuerst weint, doch der Bessere ist, und darum fandich sie meiner vollen Liebe werth.
«O, scheltet mich nicht, daß ich sic liebe: denn, bei meiner Liebe! cs istschon Leid genug bei der Liebe!
„Schönheit sonder Gleichen hat ihr Antlitz geschmückt, und in keinem Landehat mein Aug' etwas Achnliches gesehen.
„Schmachtend sind ihre Augen, fein ihr Wuchs; Rosen find ihre Wangen,und Wohlgeruch ist ihr Mund. Sie hat die Weisheit Lokmans und die SchönheitJosephs, den Kunstsinn Davids und die Keuschheit Maria's.
„Ich aber empfinde den Schmerz Jakobs und die Angst des Jonas, dieQualen Hiobs und die Reue Adams.
„Schont ihres Lebens, wenn ihr auch Macht habt, sie zu tödtcn; tröstet sievielmehr und richtet sie auf, wie es Adam zu Thcil wurde, als er in Gramund Verzweiflung saß."