Zi»eihn»dcrt und zweiunddreihigste Nacht.
Der traurige Zustand der Prinzessin und besonders die Liebesklage», welcheMarsawan beim Weggehen von ihr noch gehört hatte, trieben ihn zu solcher Eile,daß er sich sogleich reisefertig machte und am folgenden Morgen die Stadt verließ. Erzog von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Insel zu Insel, und überall, wo erhinkam, hörte er nur von der Prinzessin Vedur und von ihrer Geschichte.
Nach Vcrsiuß von vier Monaten gelangte er nach Tarf, einer großen volkreichenSeestadt, wo er nicht mehr von der Prinzessin Bedur, sondern von dem PrinzenKamr cssaman und seiner Krankheit sprechen hörte, dessen Geschichte man beinaheauf ähnliche Weise erzählte, wie jene der Prinzessin Bedur. Voll Freude erkundigteer sich, in welcher Gegend der Erde dieser Prinz lebe, und erfuhr, daß er zu Landesechs Monate, zu Wasser aber nur einen Monat brauche, um den Wohnsitz desselben zuerreichen.
Marsawan wählte den kürzeren Weg zur See und bestieg einen eben reisefertigenKauffahrer, der eine sehr glückliche Fahrt hatte, bis sie die Hauptstadt von SchahSemans Königreich erblickten und nur noch einige Meilen vom Hafen entfernt waren.Da stieß das Schiff auf einen Felsen, wurde leck und begann zu sinken. Marsawan,der ein erfahrener Schwimmer war, sprang in's Meer und ließ sich von der Strömungdem Ufer zutreiben. So gelangte er bis in die Nähe des Schlosses, in welchem Kamressaman sich aufhielt.
Zufälliger Weise befand sich eben der König daselbst und hatte den Kopf seineskranken Sohnes auf dem Schoße liegen. Der Vezier saß zu seinen Füßen und unterhieltsich mit ihm von Staatsangelegenheiten.
Darüber war der Prinz eingeschlummert, und nachdem die Geschäfte abgemachtwaren, trat der Vezier an ein Fenster, welches auf's Meer hinaus ging. In diesemAugenblicke sah er, wie Marsawan mit Anstrengung seiner letzten Kräfte den Strandzu erreichen bemüht war. Voll Mitleid mit dem Unglücklichen, benachrichtigte er denKönig davon und sagte: „Wenn du es erlaubst, so will ich hingehen und ihm helfen:wer weiß, ob nicht die Vollbringung einer menschenfreundlichen That glückliche Folgenfür dein und deines Sohnes Mißgeschick nach sich zieht!"
Der König willfahrte der Bitte, und der Vezier eilte aus dem Schlosse den Dammentlang und kam gerade am Ufer an, als Marsawan noch einmal aus den Wellenauftauchte. Er näherte sich schleunig, reichte ihm die Hand und half ihm heraus.
Ohnmächtig lag Marsawan am Boden, und in dieser Zeit traf der VezierAnstalten zu seiner Aufnahme und Verpflegung. Man brachte trockene Kleider herbei,