Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
829
Einzelbild herunterladen
 

Awerhundert und einunddreißigste Nacht. 829

wieder zusammen und entfernte sich, höchst verdrießlich, daß er sich einem so kitzlichenAuftrag unterzogen hatte.

Als der Sterndeuter wieder vor den König von China geführt wurde, glaubte erdemselben zuvorkommen zu müssen und sprach mit großer Dreistigkeit:Herr, laut der

Bekanntmachung, die du ergehen ließest, hielt ich die Prinzessin für wahnsinnig und wargewiß, sie durch die mir bekannten Geheimnisse wieder zu Verstände zu bringen; aberich habe bald erkannt, daß sie keine andere Krankheit hat, als die Liebe, und meineKunst erstreckt sich nicht bis zur Heilung dieses Uebels. Du kannst es besser heilen,als irgend Jemand, wenn du ihr den Gemahl gibst, den sie verlangt." ,

Der König ergrimmte über die Unverschämtheit des Sterndeuters, wofür er eshielt, und ließ ihm den Kopf abschlagen.

So kam noch ein Dritter und Vierter, welche dasselbe Loos hatten, wie die beidenErsten.

Der König ließ ihre Köpfe über dem Eingang seines Palastes aufstecken; aber trotzdieser schauderhaften Warnung vermaßen sich noch Viele, die Heilung der Prinzessin zubewirken, bis endlich hundert und fünfzig Köpfe von der Zinne des Schlossesherabschauten, zu deren Betrachtung täglich eine große Schaar aus dem Pöbel der Stadthcrbeiströmte.

Die Amme der Prinzessin von China hatte einen Sohn, Namens Marsawan,der mit Bedur erzogen und gesäugt worden, folglich ihr Milchbruder war. Beidewaren gewohnt gewesen, so lange sie beisammen lebten, sich wie Bruder und Schwesterzu betrachten, und auch, nachdem ihr vorgerückteres Alter ihre Trennung nothwendiggemacht hatte, bewahrten sie für einander ein freundschaftliches Andenken.

Unter mehreren Wissenschaften, wodurch Marsawan seit seiner frühesten Jugendseinen Geist gebildet, hatte seine Neigung ihn besonders zum Studium der Astronomieund Astrologie, der Geomantie und Uranologie, der Sympathie und Magie hingczogen,und er war darin sehr geschickt geworden. Nicht zufrieden mit dem, was er vonseinen Lehrmeistern gelernt, hatte er sich auf Reisen begeben, und es war keinberühmter Manu in irgend einer Kunst oder Wissenschaft, den er nicht in denentferntesten Städten aufgesucht und sich lange genug bei ihm aufgehalten hätte, umvon ihm Alles zu lernen, was ihm zusagte.

Nach einer Abwesenheit von mehreren Jahren kam Marsawan endlich in dieHauptstadt von China zurück, wo die auf der Zinne des Palastes aufgesteckten Köpfeihn höchlich erstaunten. Sobald er in seinem Hause angelangt war, fragte er, was