Zweihundert und dreißigste Nacht. 821
so heftig, daß ich mich nicht stark genug fühle, ihr zu widerstehen. Ich beschwöre dich,habe Mitleid mit mir und verschaffe mir das Glück ihres Besitzes."
Der König schlug die Hände über einander und rief aus: „Es gibt keinen Schutz
und keine Macht, außer bei dem erhabenen Gott! Ich begreife dies Abenteuer nichtund weiß kein Mittel, deinen Wunsch zu erfüllen." Indem er dieses sprach, faßte erden Prinzen bei der Hand und fügte hinzu: „Komm, laß uns zusammen Leid tragen,du, weil du hoffnungslos liebst, und ich, weil ich dir nicht helfen kann."
Der König Schah Sc man führte den Prinzen aus dem Thurme wieder in denPalast, wo derselbe liebcskrank wurde und sich zu Bette legte. Der König schloß sichein und trauerte mehrere Tage mit ihm, ohne weder bei Tag noch bei Nacht von seinerSeite zu weichen, bis endlich der Vezier, dem er allein Zutritt verstecktet hatte, einesMorgens kam und ihm verstellte, daß sein ganzer Hof und selbst sein Volk zu murrenanfange, weil sie ihn nicht mehr sähen, und er nicht täglich Gerechtigkeit pflege, wiesonst, und daß er nicht für die Unordnungen stehe, welche daraus entspringen könnten.„So sehr ich überzeugt bin," fuhr er fort, „daß deine Gegenwart den Schmerz desPrinzen, und seine den deinigen gegenseitig lindert, so mußt du doch daran denken,daß nicht Alles zu Grunde gehe. Meine Meinung ist daher, den Prinzen nach demSchlosse auf der kleinen Insel nahe am Hafen zu bringen und zwei Tage in der Wocheden Regierungsangelegenheiten zu widmen. Die übrigen Tage bringst du dann bei deinemSohne zu, bis Gott helfen wird."