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1 (1838)
Entstehung
Seite
820
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820 Aweihundert und dreißigste "Nacht.

zur Gattin zu geben. Wie groß auch die Abneigung war, welche ich bisher gegen dasganze weibliche Geschlecht bezeigt habe, so hat doch diese junge Schönheit mich dermaßenbezaubert, daß ich keinen Anstand nehme, dir meine Schwachheit zu bekennen. Ich binbereit, sie mit dem höchsten Danke von deiner Hand zu empfangen."

Der König Schah Sem an ward ganz bestürzt über diese Antwort des Prinzen,welche dem bisher von ihm gezeigten gesunden Verstände so sehr zu widersprechen schien.Wo ist denn ein Mädchen, mein Sohn?" sagte er zu ihm.Besinne dich doch,und der Name Gottes schütze dich und bewahre deinen Verstand und deine Jugend!Ich schwöre dir, daß ich nicht das Geringste von dem Mädchen weiß, von welchemdu redest. Auch kann ich nicht begreifen, wie sie ohne mein Wissen in diesen Thurmhätte gelangen können. Gewiß warst du gestern Abend in einem aufgeregten Zustandeund hast im Traum ein Mädchen gesehen."

Mein Herr und Vater," versetzte der Prinz,ich würde für immer deiner Güteunwürdig seyn, wenn ich der mir gegebenen Versicherung nicht Glauben beimäße. Alleinich bitte dich, mir geduldig zuzuhören: ich will dir beweisen, daß das, was ich sage,kein Traum, sondern wirklich und wahrhaftig ist. Hat je in seinem Leben Einergeträumt, er scy im Gefecht und kämpfe, und hat beim Erwachen ein bluttriefendesSchwert gefunden?"Nein, mein Sohn," antwortete der König,das ist nie derFall gewesen."Nun," fuhr Kamr essaman fort,ich träumte gestern gegenMitternacht, ich sey wach, und fand ein Mädchen an meiner Seite, hcllleuchtend wieder Mond und mir gleich an Jugend und Gestalt. I» einem Augenblicke faßte ich dieheftigste Liebe zu ihr und bemühte mich vergebens, sie aufzuwccken. Ich wollte sie küssen,fürchtete aber, du möchtest dich irgendwo versteckt haben, um uns zu belauschen. Ichhielt daher an mich und erlaubte mir nur, ein Andenken von ihr zu nehmen." Damitzog er den Ring vom Finger und überreichte denselben seinem Vater mit den Worten:Herr, der meinige ist dir nicht unbekannt, du hast ihn mehrmals gesehen. Demnachhoffe ich, du werdest überzeugt seyn, daß ich nicht den Verstand verloren habe, wie mandich hat glauben machen wollen."

Der König Schah Seman erkannte so deutlich die Wahrheit dessen, was seinSohn ihm erzählte, daß er nichts darauf zu erwidern hatte. In höchstem Erstaunenrief er auö:Ich stehe in Gottes Hand und wende mich zu ihm: denn ich begreife >

nicht, wie hier Jemand hat eindringcn können."

Da sagte Kamr essaman:Mein Vater, die Leidenschaft, welche ich für diesesreizende Wesen empfinde, dessen theures Bild ich in meinem Herzen bewahre, ist schon