Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
816
Einzelbild herunterladen
 

816 Zweihundert und neunundzwunzigste Nacht.

gute Zustand, in welchem ich dich treffe, ist mir das sicherste Zeichen, daß nichts daranist."Vielleicht," erwiderte der Prinz,hat mein Sklave sich nur nicht rechtverständlich zu machen gewußt. Da nun du gekommen bist, so ist es mir lieb, Jemand,der mir Gewißheit zu geben vermag, fragen zu können, wo das Mädchen ist, welchesdiese Nacht bei mir geschlafen hat."

Bei dieser Frage fuhr der Großvezier zurück und rief:Gott schütze dich, meinSohn!"' Sogleich aber faßte er sich wieder und fuhr in zutraulichem Tone fort:Sohnmeines Herrn und Königs! verwundere dich nicht über mein Erstaunen bei dieser deinerFrage. Wie wäre es möglich, daß, ich sage nicht ein Weib, sondern überhaupt einMensch auf der Welt bei Nacht hier eingedrungcn sepn sollte, wo man nur durchdie Thür und über den Leib deines Sklaven hinweg eintreten kann? Ich bitte dich,nimm deinen Verstand zusammen, und du wirst finden, daß du einen Traum gehabt,der dir diesen lebhaften Eindruck zurückgelassen hat."

Wehe dir," fuhr der Prinz heftiger fort,wenn du mir nicht sagst, was ausdem Mädchen geworden ist! Ich bin hier an einem Orte, wo . ich mir Gehorsam zuverschaffen weiß."

Bei diesen nachdrücklichen Worten gerieth der Vezier in unbeschreibliche Verlegenheitund dachte auf ein Mittel, sich so gut als möglich herauszuziehen. Er versuchte es beidem Prinzen mit Güte und sagte zu ihm:Es gibt keinen Schutz und keine Macht,außer bei dem erhabenen Gott! Sage mir, mein Herr! hast du das Mädchen mitdeinen eigenen Augen gesehen?"

Ja, ja!" antwortete der Prinz,ich habe sie gesehen und wohl gemerkt, daß ihrsie abgeschickt habt, mich zu versuchen. Sie hat ihre Rolle gut gespielt, indem sie nichtein Wort mit mir sprach, sondern sich schlafend stellte und sich entfernte, sobald ichwieder eingeschlasen war. Ihr wisset das ohne Zweifel, und sie wird nicht verfehlthaben, euch Bericht davon abzustatten."

Prinz!" versetzte der Vezier,ich kann darauf schwören, daß nichts an Allem demist, was ich hier aus deinem Munde vernehme, und weder der König, dein Vater, nochich haben das Mädchen abgeschickt, von welcher du sprichst; ja, wir haben nicht einmaleinen Gedanken daran gehabt. Ich weiß daher nichts Anderes zu sagen, als was ichschon einmal gesagt habe: du hast das Mädchen nur im Traume gesehen."

Du kommff also auch nur, um deinen Spott mit mir zu treiben," erwiderte zornigder Prinz,und um mir in's Gesicht zu sagen, daß dasjenige, was ich dir erzähle, einTraum ftp." Mit diesen Worten griff Kamr essaman dem Vezier in den Bart,