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j Zweihundert und »cunundzwanzigste Nacht.
! „Mir wird die Nacht so lange, während die Verleumder ruhig schlafen;
ist cs nicht genug an einem Herzen, das unter Gram und Kummer erliegt?
»Während die Nacht noch immer nicht weichen will, rufe ich voll Ungedulddem Tageslicht zu: Willst du gar nicht mehr erscheinen?"
Der Vezier bemühte sich, ihn zu trösten und ihm begreiflich zu machen, daß derPrinz selber ihm Gelegenheit gegeben habe, ihn zu seiner Pflicht zurückzuführen. „MeinHerr und König!" sagte er zu ihm, „es darf dich nicht reuen, ihn gefangen gesetzt zu!haben. Gott verfluche das Böse in dieser Welt! Aber, hast du nur die Geduld, ihneine Weile eingcsperrt zu lassen, so darfst du überzeugt scyn, daß diese jugendliche Hitzeverrauchen, und er endlich sich Allem unterwerfen wird, was du von ihm forderst."
Der Vezier endigte so eben diese Rede, als der Sklave in seinen durchnäßtenKleidern vor den König Schah Seman trat. „Herr!" sagte er zu ihm, „es thut mirsehr leid, daß ich dir eine Nachricht bringen muß, welche du nur mit großem Mißvergnügenhören wirst. Dein Sohn spricht verwirrtes Zeug von einem Mädchen, welche vergangeneNacht bei ihm geschlafen habe, und doch bin ich von meinem Posten an der Thürc nicht ^weggekommen und kann beschwören, daß Niemand bei ihm ein- und ausgegangen ist.
! Meine Vorstellungen konnten ihn aber so wenig von seinem Wahn zurückbringcn, daßer vielmehr ganz rasend wurde und mich in den Zustand versetzt hat, in welchem dumich hier siehst. Alles dies gibt zu erkennen, daß er nicht mehr recht bei Sinnen ist."
Nachdem der König den Sklaven über die näheren Umstände genau befragt hatte^ und durch die Aussagen desselben zu der Ueberzeugung gelangt war, daß es schlimm
! mit seinem Sohne stehe, warf er einen vorwurfsvollen Blick auf den Vezier und rief mit
> einem tiefen Seufzer: „O mein Sohn, mein lieber Sohn!" Hierauf befahl er dem
Vezier, selbst hinzugehen und zu erforschen, was sich zugetragen.
Der Vezier gehorchte auf der Stelle. Beim Eintritt in das Zimmer fand er den !j Prinzen ganz ruhig, mit einem Buche in der Hand, sitzend und lesend. Er grüßte ihn, ^
und Kamr essaman erwiderte den Gruß. Nachdem er sich hierauf neben ihm
niedergelassen, sprach er zu ihm: „Gott verdamme deinen Sklaven, daß er zu demKönig, deinem Vater, gekommen ist und ihn in einen solchen Schrecken gesetzt hat!"
„Wie so?" erwiderte der Prinz. „Was könnte den König erschrecken, das voneinem niedrigen Sklaven kommt? Ich habe weit mehr Ursache, mich über diesen Hundzu beklagen."
„Prinz!" versetzte der Vezier, „verhüte Gott, daß dasjenige, was er von dir berichtethat, wahr sep! Es wäre Jammerschade um deine Jugend und Schönheit. Allein der