Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
814
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81 -i Zweihundert und nennundzwanzigftc Nacht.

Was für ein Mädchen?" antwortete der Sklave mit großem Erstaunen.

Das Mädchen," erwiderte der Prinz,das heute Nacht in meinen Armengeschlafen hat."

Prinz!" versetzte der Sklave,ich schwöre dir, daß ich nichts davon weiß. Wiesollte denn ein Mädchen hereingekommcn scyn, da ich doch an der Thüre schlafe?"

Du lügst, Schurke!" erwiderte der Prinz.Du weißt recht wohl, daß dasMädchen zu mir hereingebracht worden ist, um mich in Versuchung zu führen; aber dubist mit ihnen im Einverständniß und willst mich auch vollends toll machen und zuTode quälen."

Indem er dies sagte, ging er mit zornglühcndem Gesichte auf den Verschnittenenzu, welcher erschrocken vor ihm zurückwich. Mit bebender Stimme wiederholte er:Bei Gott, mein Herr, ich habe nichts gesehen!" Aber Kamr essaman hieß ihnnäher treten, faßte ihn an der Kehle, warf ihn zu Boden, kniete auf ihm und trat ihnmit Füßen; dann schleppte er den Ohnmächtigen zum Brunnen hin, band ihm dasSeil unter die Arme, ließ ihn daran hinab und tauchte ihn mehrmals mit dem Kopfunter's Wasser.Ich ersäufe dich," rief er ihm zu,wenn du mir nicht sogleich sagst,wer das Mädchen ist, und wie es zu mir hereiugekommen ist."

Der Sklave, welcher durch das Untertauchen wieder zu sich selber gekommen war,dachte in der äußersten Gefahr, in der er halb im Wasser, halb außerhalb desselben sichbefand:Ohne Zweifel hat der Prinz, mein Herr, den Verstand verloren, und ich kann

nur durch eine Lüge mich retten."Mein Herr!" sagte er hieraus mit bittendem Tone,ziehe mich herauf, ich beschwöre dich darum: ich verspreche dir Alles zu sagen."

Der Prinz zog nun den Sklaven wieder herauf und verlangte dringend Auskunftüber den Zusammenhang der Sache. Der Diener aber stand zitternd vor Nässe undFurcht vor ihm und sagte:Mein Herr, du siehst wohl, daß ich dir in diesem Zustandedie Geschichte mit dem Mädchen nicht erzählen kann: vergönne mir so viel Zeit, zuvormeine Kleider zu wechseln."Ich gewähre es dir," erwiderte Kamr essaman;abermach' geschwinde und hüte dich wohl, mir die Wahrheit zu verbergen! Du hast bereitsden Tod vor Augen gesehen und weißt, was dich erwartet, wenn du mich belügst."

Der Sklave ging hinaus, schloß aber den Prinzen ein und lief, wie er war, inden Palast. Der König unterhielt sich eben mit seinem Großvezier über Kamr essamanund sprach von der Übeln Nacht, welche ihm der Ungehorsam und die sträflicheWidersetzlichkeit seines Sohnes zugezoge» hätte. Dabei führte er folgende Verse einesDichters an: