Zweihundert und achtunbzniirnzigste "Nacht. 805
„Die schwerste Liebespcin bürdest du mir auf, während ich zu schwach unduumächtig bi», mein Gewand zu tragen.
„Du lassest mich so lauge weine», bis man fragt: Ist das nicht Blut, wasdiese Augen röthct?
„Wäre mein Herz so hart, wie das deine, so wären die Kräfte meinesKörpers nicht also geschwunden.
„Weh' über den Anblick eines Mondes, dessen Schönheit vollkommen ist,dessen Glanz alles Sterbliche überstrahlt!
„Weh' über dein hartes Herz! Lernte cs doch Biegsamkeit von deinem Wüchse,so würd' cs sich zärtlich mir zuncigcn.
„O mein Fürst und Gebieter! du hast über deine Schönheit einen Aufseher,der mir Unrecht thut, und einen Wächter, der mich grausam znrückweist. '
„Wer da sagte,, die Schönheit sep in Joseph vereint, der hat nicht wahrgesprochen: deine Schönheit ist hundertfach die Schönheit Josephs.
„Schwarz- ist das Haar, leuchtend die Stirne, das Auge wie das derGazelle, und zart und schlank ist der Wuchs.""
' Im Texte ist hier ein unübersetzbares Wortspiel, indem das Wort Aufseher zugleich Blick, unddas Wort Wächter auch Augenbrauen bedeutet.
- Wörtlich nach dem Texte würde» diese Verse die Klage eines Liebhabers über die Unempfindlichkeiteiner Geliebten enthalten; der Uebersetzcr hat sich die Freiheit genommen, sic der Scene und den Personenanzupassen. >