Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
804
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Maimuna war im höchsten Grad erstaunt und überrascht, als sie die blendendeSchönheit der Prinzessin gewahrte. Nachdem sie dieselbe eine Zeitlang betrachtet hatte,wendete sic sich plötzlich'zu D ahnesch und sprach:Bei der Inschrift, die auf demSiegelringe Salomo'S, des Sohnes Davids, eingegrabcn ist, wenn du nicht sogleichdeine Prinzessin nimmst und sie neben meinen Prinzen hinlegst, damit wir Beide miteinander vergleichen können, so vernichte ich dich!"

Dahnesch gehorchte, und Maimuna begleitete ihn. Sie brachten die schlafendePrinzessin in den alten Thurm und legten sie neben Kamr essaman auf's Bett, wosie zwei leuchtenden Vollmonden glichen, wie der Dichter sagt:

Mit meinen Augen sah ich zwei Schlafende auf der Erde; wohl wünschteich, ich könnte ihnen meine Angcnlicdcr zum Bett anweiscn.

Sie sind wie zwei Halbmonde am Himmel, wie zwei Sonnen in derMittagsstunde, wie zwei herrliche Gazellen, wie zwei blühende Zweige, inwelche sich die Schönheit gctheilt hat."

Als der Prinz und die Prinzessin also neben einander lagen, erhob sich zwischendem Geist und der Fee ein großer Zwist über den Vorzug ihrer Schönheit. Nachdemsie Beide eine Zeitlang schweigend bewundert und verglichen hatten, unterbrach Dahneschdie Stille zuerst und sagte zu Maimunen:Nun, siehst du, ich hatte cs dir wohlgesagt, daß meine Prinzessin schöner ist, als dein Prinz. Zweifelst du noch daran?"

Was! ob ich daran zweifle?" erwiderte Maimuna.Ja, wahrlich zweifle ichdaran. Du mußt blind sepn, wenn du nicht siehst, daß mein Prinz deine Prinzessinweit übcrlrifft. Deine Prinzessin ist schön, ich leugne es nicht; aber nur gemach!Vergleiche sie ohne Vorliebe genau mit einander, und du wirst sehen, daß ich Rechthabe."

Dann neigte sie sich über Kamr essaman hin, küßte ihn zwischen die Augenund sprach folgende Verse:

Was liegt daran, wenn mir auch deinetwegen die Freundinnen zürnen?

Wo fände Trost, wer um deiuetwillcu leidet?

So zart meine Gestalt ist, so vermag doch die heftigste Licbesglut sic nichtaufznzchrcn: dein Anblick ist wie erquickender Wein und gibt ihr neue Kraft.

Dein Auge verschönert sich, so oft man cs ansicht; wer nur einmalhincingeblickt, must sich ihm stets voll Liebe zuwcndcn.

«O du, der du meiner Sehnsucht dich entwindest, darf man so dem Verspreche»der Liebe aus eitel» Gründen zuwider Handel»?