800 Zweihundert und siebennndzwanzigjte Macht.
sich an den Gedanken, diese Verbindung zu Stande zu bringen, bereits allzusehr gewöhnt,als daß er in der Abneigung der Prinzessin ein unbezwingbares Hinderniß gesehenhätte. Er drang daher mit stets erneuerten und stärkeren Vorstellungen in sie; diePrinzessin aber, anstatt sich zu ergeben, vergaß zuletzt die Ehrfurcht, welche sie demKönig, ihrem Vater, schuldig war, und sprach zornig zu ihm: „Herr! ich bin desewigen Drängens und Treibens müde. Rede mir nicht mehr von dieser Vermählung,noch von irgend einer anderen, oder ich stoße mir den Dolch in die Brust, um michvon deiner Ueberlästigkeit zu befreien!"
„Da entbrannte auch der Zorn des Königs, und er erwiderte ihr: „Meine Tochter,du bist eine Närrin, und ich werde dich wie eine Närrin behandeln." In der Thatließ er sie aus ihrer bisherigen Wohnung wegbringen und in ein einzelnes Gemach ineinem seiner Paläste einsperren, woselbst er ihr nur zehn alte Weiber zur Gesellschaftund Bedienung gab, unter welchen die vornehmste ihre Amme war. Um sich mit denbenachbarten Königen, welche Gesandtschaften an ihn geschickt hatten, wieder in eingutes Vernehmen zu setzen und Andere, welche etwa als Bewerber um die Hand derPrinzessin aufzutreten im Sinne hätten, davon abzuhalten, schickte er Gesandte an alleHöfe, welche die Abneigung der Prinzessin vor jeder Vermählung unumwunden erklärenmußten; und da er nicht zweifelte, daß sie wirklich verrückt sey, so beauftragte erdieselben Gesandten, überall, wohin sie kämen, öffentlich bekannt zu machen, wenn sichirgend ein Arzt fände, der Geschicklichkeit genug besäße, sie zu heilen, so möchte er sichzu ihm verfügen: nach erfolgter Heilung werde er keinen Augenblick anstehen, ihm zumLohn dafür ihre Hand zu geben.
„Schöne Maimuna," fuhr Dahnesch fort, „so stehen dort die Sachen, und ichverfehle nicht, jede Nacht mich bei ihr einzufinden, ihre Schönheit und Anmuth zubewundern und sie zwischen die Augen zu küssen: denn ungeachtet meiner natürlichenBosheit kann ich ibr nicht das geringste Leid zufügen. Ich beschwöre dich, meineHerrin, komm' und sieh': es ist der Mühe werth. Wenn du dich mit eigenen Augen,überzeugt hast, daß ich wahr gesprochen, so hoffe ich, du wirst cs mir Dank wissen,!daß ich dich eine Prinzessin habe sehen lasse», deren Schönheit nicht ihresgleichen hat.Ich bin bereit, dir zum Führer zu dienen: du darfst nur befehlen."
Anstatt Dahnesch zu antworten, brach Maimuna in ein lautes Gelächter aus,das lange anhielt; und Dahnesch, der sich nicht zu denken vermochte, was Lächerlichesan seiner Erzählung seyn könnte, fürchtete, durch irgend etwas, ihm unbewußt, dieLaune der Fee gereizt zu haben, und duckte sich mit dem Kopfe nieder.