Zweihundert und sieben» ndzw nnzrg sie Nacht. 799
„Mein Herr und Vater!" sprach die Prinzessin zum König von China, wenn er
ihr einen Vorschlag zu dieser oder jener Verbindung machte, »du willst mich vermählenund wähnst mir dadurch ein großes Vergnügen zu machen. Ich bin von deinerliebevollen Absicht überzeugt und dir sehr dankbar für deine Güte. -Allein, sage selbst,wo könnte ich sonst als bei dir so prächtige Paläste und so reizende Gärten finden?Ueberdies lebe ich hier mit deiner Vergünstigung ohne allen Zwang, und man erzeigtmir dieselbe Ehre, wie deiner eigenen Person. Das sind Vortheile, die ich an keinem
andern Ort in der Welt finden würde, welchen Gemahl ich auch nehmen möchte. Meine
bisherige Lebensweise gefällt mir so gut, daß ich mich nach gar keiner Veränderungsehne, am allerwenigsten aber nach einer solchen, bei welcher ich genöthigt wäre, denLaunen und Wünschen Anderer meine Freiheit aufzuopfer». Die Männer wollen immerdie Herren seyn; ich bin gewohnt zu befehlen und habe keine Lust, mich beherrschen zulassen."
„Der König, welcher bisher der Prinzessin in Allem nachgegeben hatte oder sogarzuvorgekommen war, was nur die grillenhafteste Laune verlangen konnte, ließ sie langeZeit gewähren, und das um so lieber, als sie noch sehr jung war. Er rechnete darauf,daß Zeit und Natur eine Sinnesänderung bei seiner Tochter bewirken würden, ohne daßer nöthig hätte, einen väterlichen Machtspruch zu thun. Doch versäumte er es bei keinerneuen Veranlassung, ihr die Zweckmäßigkeit und hinsichtlich seiner zunehmenden Jahresogar die Nothwendigkeit einer ehelichen Verbindung vorzustellen.
„Seine Geduld hatte schon manche Probe bestanden, als nach mehrere» Gesandtschafteneine von einem reicheren und mächtigeren König kam, als alle die bisherigen gewesenwaren. Da der Freier an der günstigen Aufnahme seines Antrages durchaus nichtzweifelte, so hatte er schon vorher die kostbarsten Geschenke als Mcrgengabe dem Königvon China zugeschickt, welcher dieselben annahm und sich im Stillen bereits zu einem sowillkommenen Eidam Glück wünschte. Sobald daher der Gesandte angckommen warund seinen Auftrag auSgerichtet hatte, begab sich Ghaiur zu seiner Tochter und sprachmit ihr darüber. Er pries ihr an, wie vortheilhaft cs für sie seyn würde, diesenGemahl zu nehmen, und stellte ihr vor, daß er nicht nur der Reichste und Mächtigste vonallen denjenigen scy, welche früher um ihre Hand angehalten hatten, sondern daß e>überhaupt Keinen wüßte, der ihm an die Seite gestellt werden könnte. Die Prinzessinbat ihn, sie damit zu verschonen, und führte ihm wieder dieselben Gründe an, miiwelchen sie sonst immer die seinigen widerlegt hatte. Aber der König ließ sich diesmalnicht so leicht zur Nachgiebigkeit bewegen: die Aussicht war zu lockend, und er hatte