7!)8 Zweihundert und sirdenundzwanzigfte Nacht.
Arme/ so rein und rund wie Perlen und Korallen, und sind dieselben geschmückt, soverschwindet der Glanz von Gold und Silber vor der blendenden Farbe ihrer Haut.Die Formen ihres Leibes halten das schönste Ebenmaß zwischen Fülle und Zartheit, unddie runden, glatten Schenkel und Beine verlausen in zierliche Füßchen, die Gott, soklein sie sind, doch stark genug gemacht hat, um Alles, was darüber ist, in schwebenderBewegung za tragen. Kurz, aus diesem schwachen Umrisse wirst du schon erkennen,daß es keine vollkommenere Schönheit auf der Welt gibt.
„Der Vater dieser Prinzessin, sonst ein rauher Krieger und gcwaltthätigcr Herrscher,scheint alle sanftere Empfindungen mit doppelter Stärke auf diese Tochter übertragenzu haben. Wer ihn nicht kennt, würde nach dem Ausdruck seiner väterlichen Zärtlichkeiturtheilen, daß er verliebt in sie sey. Niemals hat ein Liebender für seine Geliebtegethan, was dieser Vater für seine Tochter. Denn die allerheftigste Eifersucht hatniemals erdenken können, was die Sorgfalt, sie jedem Andern als ihrem künftigenGatten unzugänglich zu machen, ihn hat erfinden und ausführcn lassen. Damit sic inder Abgeschiedenheit, zu welcher er sie bestimmt hatte, sich nicht langweilte, hat erihr sieben Paläste bauen lassen, wie man nie etwas Aehnliches weder gesehen nochgehört hat.
»Der erste Palast ist von Bergkrpstall, der zweite von Erz, der dritte von feinemStahl, der vierte von einem andern kostbareren Metall, der fünfte von schwarzein Stein,der sechste von Silber und der siebente von gediegenem Gold. Alle sind mit unerhörterPracht ausgeschmückt, mit den kostbarsten Geräthschaften und Gefäßen versehen, jederdem Stoffe gemäß, woraus er gebaut ist. In den Gärten, welche sie umgeben, fehltcs nicht an Rasenplätzen, Blumenstöcken, Teichen, Springbrunnen, Canälen, Wasserfällen,Gebüschen und Baumgruppen, welche die Sonne niemals durchdringt: Alles in jedemGarten von verschiedener Anordnung. Kurz, der König Ghaiur hat bewiesen, daßnur väterliche Liebe ihn bewogen hat, einen solchen beinahe unermeßliche» Aufwand zumachen.
»Auf den Ruf der unvergleichlichen Schönheit dieser Prinzessin ließen bald diemächtigsten der benachbarten Königreiche durch feierliche Gesandtschaften um sie werben.Der König von China empfing sie alle gleich freundlich; da er aber seine Tochter nurmit ihrer Einwilligung vermählen wollte und der Prinzessin keine von den angetragenenVerbindungen gefiel, so kehrten die Gesandten wieder heim, zwar mißvergnügt inAnsehung des Gegenstandes ihrer Sendung, jedoch sehr zufrieden mit der Höflichkeit undder Ehre, die ihnen zu Theil geworoen war.